Ho, ho, ho!
Vor fast 2010 Jahren hat irgendein langhaariger Typ in einem Leinenhemdchen irgendwas gemacht, und nun dürfen wir den Mist ausbaden. Es ist Weihnachten, alle beglückwünschen sich, schütteln sich die Hände und sind plötzlich die allerbesten Freunde… und die wenigsten Menschen wissen überhaupt noch, was an Heiligabend überhaupt so abgeht.
Ich übrigens auch nicht.
Möglicherweise hängt das mit meiner Unlust auf Religion zusammen, möglicherweise ist einfach der Geist verschwunden, aber höchstwahrscheinlich haben die Menschen mittlerweile einfach ein anderes Denken als früher, und so mit der Zeit verändert sich Weihnachten immer mehr zum Kommerz-Fest.
Die Cola-Cola-Weihnachtstrucks sind wieder unterwegs, hurra! Hmja, was machen die eigentlich großartig? Fahren irgendwo rum, leuchten mit ihren tollen Lichterketten und hupen vielleicht ab und zu mal. Nicht, dass ich jetzt Moralapostel spielen will, aber was ist mit der Umwelt? Überall heißt es, wir müssen Feinstaub eindämmen und Kohlendioxid verbannen… Aber zu Weihnachten fährt eine Kolonne LKW durch verschneite Straßen, ohne irgendwas sinnvolles zu tun. Bravo, dann kauf ich mir jetzt noch schnell drei Kühe, geb ihnen Bohnen zu futtern und stell sie an die Straße, dann kann ich vielleicht der Klimaerwärmung noch ein bisschen mehr Gutes tun.
In den Supermärkten werden Tannenbäume verkauft, wie herrlich. Auch sehr schön anzusehen, wie so ein Ding langsam vor sich hinstirbt und dabei den ganzen Teppichboden vollnadelt. Das ist mir auf jeden Fall 80 Euro wert, den Schmuck natürlich noch nicht eingerechnet. Da man sich natürlich die schönste Blautanne raussucht, muss es auch der schönste Schmuck sein, mit dem man das Bäumchen so dermaßen zupflastert, dass man es beinahe nicht mehr erkennt. Kugeln, Kerzen, Tannenzapfen, kleine fette Männer in roten Bademänteln, Lichterketten, Girlanden, Lametta und mehr. Als Ständer natürlich etwas rotierendes, damit man das behangene Gestrüpp auch von allen Seiten bewundern kann. Und am 26. Dezember kommt alles – so wie es da steht – in den Müll. Na, wenigstens gibt das in der Verbrennungsanlage einen schönen Duft.
Die Weihnachtszeit ist natürlich auch die Zeit des Schenkens, der Nächstenliebe und allgemein aufgesetzter Fröhlichkeit. “
Ja, einen schönen Tag noch. Und ein frohes Fest! Schöne Feiertage!“, höre ich immer wieder. Verdammt, nehmen wir doch einfach mal an, ich hätte zur Weihnachtszeit erfahren dass ich unheilbar krank bin, müsste ich mich dann nicht über solche Sprüche aufregen? Zum Glück bin ich kerngesund. Trotzdem geht mir diese Heuchelei ziemlich auf den Kürbis. 362 Tage im Jahr sind die Leute mürrisch, schlecht gelaunt und unfreundlich, aber an Weihnachten sind alle super drauf. Woher dieser Sinnesumschwung? Freuen sich alle, dass bald ein weiteres Jahr rum ist, bis sie endlich in den Ruhestand gehen oder ins Gras beißen dürfen? Glauben die etwa alle noch an den Weihnachtsmann? Wenigstens funktioniert das Prinzip, dass es so aus dem Wald herausschallt, wie man hineinruft. Egal wie mies man gelaunt ist, zur Weihnachtszeit muss man einfach freundlich nicken und lächeln und jede Menge Hände schütteln. In Zeiten der Schweinegrippe-Propaganda ja auch gern genommen… Klar, Schulen werden geschlossen wegen Ansteckungsgefahr, aber zu Weihnachten schüttelt einfach jeder jedem die Hände. Oder werden dieses Jahr Flyer ausgeteilt, auf denen steht, dass man nur mit Einweghandschuhen Hände schütteln sollte? Werden die Handschuhe dann gleich mitgeliefert? Eine Initiative der deutschen Krankenhäuser?
Super-Sonderangebot, nur zur Weihnachtszeit, greifen Sie jetzt zu! So kurz vor dem tollsten Ereignis des Jahres wird natürlich jeder noch so kleine Pups großartig angepriesen. Alles muss raus, Platz schaffen für die 2010er Ware. Dass das Zeug immer noch genau so teuer ist wie vorher (wenn nicht sogar noch teurer), wird von der angestachelten Weihnachtseinkäufer-Meute natürlich geflissentlich übersehen. “
Ach, zu Weihnachten kann man sich mal was leisten.” Wieso denn? War das 13. Monatsgehalt etwa so üppig, dass es gleich wieder die Wirtschaft ankurbeln muss? Geschenke hier, Geschenke da, Geschenke überall. Je teurer das Geschenk, desto lieber hat man den Beschenkten. Leider fehlen mir die finanziellen Mittel, fünf Villen auf den Kanaren zu erstehen, also muss ich die Messlatte niedriger ansetzen und behaupten: Je selbstgemachter, desto lieber. Hier, bitte schön, eine Klopapierrolle mit Augen drauf. Ist selbstgemacht! Siehst du,
so lieb hab ich dich!
Wenn ich an die Weihnachtsfeste früher zurückdenke, waren sie auch immer so ziemlich mit Klischees gefüllt. Erst in den letzten paar Jahren habe ich mir angewöhnt, mit den Leuten, die mir wichtig sind, keine Geschenke-Party zu veranstalten, sondern lieber gemeinsame Abende mit gutem Essen zu organisieren. Ein bisschen Tradition darf auch noch sein, auch wenn ich an nichts glaube, für was Weihnachten ursprünglich steht. Es sind nämlich unsere eigenen Traditionen, die wir an Weihnachten ausleben. Essen mit der Familie, viel Lachen und Scherzen und hinterher eine Schneeballschlacht im Garten. So stelle ich mir ein schönes Weihnachtsfest vor.