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100 Wahrheiten, Folge 43: Krabbelvieh und Insekten

Irgendjemand Gänsehaut gefällig?


Da ich die letzten drei Tage im schönen Nordhessen verbrachte und mir ein bisschen Landluft gönnte, hab ich nun auch ein paar Wahrheits-Themen ausgegraben, die damit im Zusammenhang stehen. Wunder dich also nicht, wenn das alles ein bisschen ländlich wirkt: Das ist so!

So schön die Natur auch sein kann, für einen Stadtmenschen ist sie doch ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Tagsüber summen überall Fliegen, in der Nacht wird man von blutsaugendem Getier angefallen, und in jeder Zimmerecke hängt etwas Langbeiniges. An dieser Stelle werden wahrscheinlich schon die ersten weiblichen Leser die Füße unter den Körper gezogen haben, um dieses gemeine Kribbeln wegzubekommen, aber glaubt mir: Uns Männern geht es manchmal nicht anders.
Auf einem Bauernhof wird man natürlich alle paar Sekunden von einem Fliegevieh erforscht, und das sorgte bei unserem Kurzurlaub für ein paar amüsante Aktionen, wenn zum Beispiel Alex bei jedem Kribbelgefühl laut “Aua!” schrie und mit wutentbranntem Gesicht nach allem schlug, was sich bewegte. Man kann von Glück reden, dass kein Glas zu Bruch ging.
Meinen Bruder konnte ich mit einer Spinne jagen, die ich – so dachte er – von der Zimmerdecke gefischt hatte und ihm hinten ins Shirt werfen wollte. Nachdem er ein bisschen geflohen war und meine Hände weggeboxt hatte, stellte sich allerdings raus, dass ich besagte Spinne gar nicht in den Händen hatte. Nein danke, ich fasse so Krabbelvieh auch ungern an. Selbst wenn ich weiß, dass so Kleingetier nicht giftig ist, kann ich das Gefühl so kleiner Beinchen nicht wirklich gut ertragen. Aber ärgern kann man Leute damit ungemein gut.

Kleine Sünden bestraft der liebe Gott allerdings sofort, und so wurde ich in der letzten Nacht von einer besonders fiesen Stechmücke heimgesucht, die sich ein paar Stunden lang über meinem Bett austobte und mich insgesamt fünf mal in Schultern und Rücken piekste. Da ich – wie so oft im Leben – Musik hörte, konnte ich natürlich auch nicht das eklig hohe Gesirre von dem Vieh ausmachen, also war ich ihr praktisch ausgeliefert. Glücklicherweise versagte morgens gegen halb sechs der Akku von meinem iPood, ich wurde von der Absenz jeglicher Musik wach und hörte im direkten Übergang das Gänsehaut verursachende “sssssssiiiiiiiiiiiiiiiiiiii“. Innerhalb von ein paar Sekunden war ich aus dem Bett, machte das Licht an und ging mit einem Shirt auf Mückenjagd. Die Schläge kamen mir selbst unnatürlich laut vor, aber nach drei Versuchen lagen dann sowohl die Stechmücke als auch eine Pferdebremse erledigt am Boden. Muahahar, Sieg. Schnell wieder zurück ins Bett.

Ekelvieh auf Distanz


Es gibt ja Leute, die kriegen selbst bei einer Fernsehdokumentation über Ameisen das kalte Grausen. Wenn in einem Afrika-Film die beachtlich hohen Termitenhügel erkundet werden, beißen gleich mehrere Frauen irgendwo rein. Und ich weiß noch, wie ich vor ein paar Jahren mal mit der Schulklasse einen Biologie-Film über eine Heuschreckenplage schauen musste, und was für abstoßende Laute aus den Reihen der Mädels kamen, das war echt beachtlich. Scheint, als hätten die von den Fernsehbildern und der puren Vorstellung schon genug gehabt.

Ich für meinen Teil war mal in Italien im Urlaub, als plötzlich eine Heuschreckenplage über das kleine Dorf niederging. Innerhalb von Minuten waren alle Straßen von krabbelndem Kleinvieh übersät, man verstand vor lauter Gesäge sein eigenes Wort nicht mehr, und wer das Pech hatte und zu dem Zeitpunkt des Angriffs in einem Straßencafé saß, konnte sein Stück Kuchen abschreiben. Wir Städter waren natürlich ziemlich angeekelt, und ich kann mich noch sehr genau an die Gänsehaut erinnern, die ich hatte, als dann plötzlich eins von diesen Dingern im Wohnzimmer saß und uns – irgendwie gierig – anglotzte. Meine Freundin fing fast panisch an zu kreischen, und die schnellste Reaktion, die ich hervorbringen konnte, war, den Teppich darüberzuwerfen und dann mit dem Besen nach draußen zu fegen. Es muss wahnsinnig komisch ausgesehen haben, aber in dem Moment hatte ich einfach so ein ekliges Gefühl am ganzen Körper, dass ich diesem Koloss nicht näher als einen Meter kommen wollte. Die Italiener, die sowas wohl alle paar Sommer erlebten, hatten da weniger Hemmungen: Sie sprangen barfuß auf die Straße und traten so viele Heuschrecken wie möglich platt, wobei jeder einzelne zerbrechende Chitin-Körper ein widerwärtiges Knacken und Knirschen von sich gab. In dieser Nacht schliefen wir alle ziemlich schlecht.

So, und jetzt bin ich gespannt, wieviele Leser sich nun am ganzen Körper kratzen müssen, weil ihre Einbildung ihnen vorgaukelt, da säße ein kleines Insekt auf der Schulter und weil es allgemein überall juckt und kribbelt. Ich für meinen Teil bin von den letzten drei Tagen Kummer gewöhnt und muss mich nur noch selten kratzen. Selbst die fünf Mückenstiche sind – mit ein bisschen Spucke – kaum noch spürbar.

Categories: 100 Wahrheiten, Lesestoff
Grottig.Eher mies.Mittel.Klein und fein.Absolut gut. (Bewertung: 4,00 von 5 bei 1 Votes)
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  1. Karine
    30. Juli 2009, 21:46 | #1

    Wuääääh,ich hasse Krabbelvieher….und vor Spinnen habe ich panische Angst. Beruhigend zu hören, dass es nicht nur eine Frauenkrankheit ist. :)

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