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100 Wahrheiten, Folge 36: Begrüßungen

Guude Jungs, wie dann?


Ich weiß schon wieder nicht genau, wie ich den Blogeintrag beginnen soll. So ein Mist.

Worüber will ich diesmal schreiben? Über Begrüßungen und Küsschen und Handgeschüttel und vergleichbar komisches Verhalten. Wie fange ich an? Gute Frage.
Mir fällt es irgendwie in letzter Zeit wieder vermehrt auf, dass sich ein gewisser Schlag Menschen, vornehmlich solche, die laut in ihr Handy brüllen, dass sie ihre Brüder holen, eine für mich sehr verstörende Art der Begrüßung ausgesucht hat. Es war ja früher schon in, wenn man mit seinen Kumpels so krass dicke war, dass man ihnen sogar einen Backenkuss geben konnte, aber ich dachte (oder hoffte), dass diese peinliche Phase es nicht über die neunte Klasse hinaus geschafft hätte. Komischerweise scheint das doch der Fall zu sein.

Da ich nun mal Frankfurter bin, sehe ich eigentlich täglich eine Mehrheit der Jogginghosenträger, die sich auf diese seltsame Art begrüßen. Da wird irgendeine fremde Sprache geblubbert (ich verstehe nicht mal, welche das ist), die Hände werden eingeschlagen und man zieht das Gegenüber an die eigene Backe, um ihm so ein Küsschen aufzudrücken. Eins links, eins rechts. In manchen Fällen sogar noch ein drittes Küsschen links. Soll das cool aussehen? Soll das aussehen, als wäre man gut befreundet? Soll das vermitteln, dass man krass ist?
Ich muss ehrlich sagen: Es sieht schwul aus. Und zwar nicht so Beleidigungs-schwul, nicht so “Ey du bist schwul aller“-schwul, sondern wirklich homosexuell. Dafür, dass die Leute immer so homophob wirken, wenn man sie auf das Thema anspricht, scheinen sie es ziemlich ausgiebig zu zelebrieren, wenn sie einen angeblich guten Grund dafür haben.

Jetzt werden ein paar sich denken: “Na und? Du musst ja nicht mitmachen.” Fast richtig. Ich war auf einer Frankfurter Schule, und da gab es teilweise Leute, die ausschließlich so begrüßt werden wollten, und wenn man ihre Annäherungsversuche nicht erwidert hat, waren sie mehr als nur beleidigt. Wenn man sie darauf ansprach, dass es schwul aussähe, bekam man gerne mal einen Schlag irgendwohin. Und wenn man ihnen ganz nüchtern und ernsthaft klarmachte, dass man ihnen viel lieber auf normal-männliche Weise die Hand gibt, bekam man erst recht einen Schlag irgendwohin. Angeblich wäre das eine feindliche Geste gegenüber der Religion des Betreffenden. Ach? Seit wann steht in irgendeiner Religion geschrieben, dass man seine Freunde oder auch beinahe unbekannte Leute mit Backenküsschen begrüßen muss? Ich bin mir sogar sehr sicher, dass es laut einigen Religionen eher höllenmäßige Strafen hageln sollte, wenn ein Mann einem anderen Mann, der nicht allernächster Blutverwandter ist, so nah kommen sollte.
Und selbst wenn es so wäre, warum sollte man sich zu etwas zwingen lassen, was man nicht mag, nur weil es der Religion des anderen entspricht? Ist man gezwungen, nach derselben Religion zu leben und somit zu begrüßen? Ich dachte, in Deutschland wäre Religionsfreiheit geboten. Aber sobald man dieses Wort anspricht, hat man ja schon wieder gleich eine Faust irgendwo.

Ebenso verquer beobachte ich so manch coole Cliquen-Kinder, die sich einen Handschlag zur Begrüßung ausgedacht haben, der dem Klischee der amerikanischen Sorority nicht fern ist. Handfläche, Handrücken, Handfläche, Knöchel, Fingerspitzen, dabei dreimal laut mit der Zunge schnalzen, einmal um die eigene Achse drehen und wieder Handfläche. Wenn man auf eine Gruppe von fünf Leuten stößt, ist man da doch locker eine Viertelstunde mit komplizierter Handgelenksgymnastik beschäftigt…
Wenn ich jemanden begrüße, dann reicht mir eigentlich ein normaler Handschlag. Wenn ich mich mit jemandem wirklich gut verstehe, dann ist es auch schon mal so ein richtiger Handschlag auf Brusthöhe, eventuell noch mit einer Hand auf den Rücken des anderen, aber selbst da ist die Sache nach zwei Sekunden wieder gelaufen. Was ist bloß aus den guten, alten Klassikern geworden?

Naja, nun habe ich den Eintrag mehr oder weniger so hingemetzelt, könnte sein dass er schlecht geworden ist, ich bin gerade nicht so sicher, ich hab ein bisschen Hunger und bin deswegen leicht unkonzentriert. Außerdem fängt das Wochenende gerade an, und ich vermute, es wird super. Vielleicht kann ich ja ein paar Leute mit Handschlag begrüßen.

Categories: 100 Wahrheiten, Lesestoff
Grottig.Eher mies.Mittel.Klein und fein.Absolut gut. (Bewertung: 5,00 von 5 bei 1 Votes)
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  1. Karine
    16. Mai 2009, 12:16 | #1

    Gute Freunde umarme ich immer :-) Ansonsten per Küsschen oder Handschlag…aber naja ich bin ja auch weiblich..

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