100 Wahrheiten, Folge 22: Demonstrationen
“Jump, you fuckers!”
Ein sehr heikles Thema sind selbsternannte Weltverbesserer. Vorweg will ich mal sagen, dass sich keiner von diesem Eintrag persönlich angegriffen fühlen soll, hier sage ich – wie es eigentlich auch Sinn und Zweck ist – nur meine Meinung zum Thema, und wem diese nicht passt, der sollte sich wieder in seinem Kämmerlein verstecken.
Am Samstag war in Frankfurt ja diese tolle Demonstration gegen Kapitalismus, beziehungsweise war es auch eine Demonstration gegen Kapitalismus, unter jeder Menge anderer Demos. Hier versammelten sich Linke, Grüne, Braune, Schwarze, Rote und Gelbe, und es schien, als sei jeder gegen alles. Gegen Kapitalismus, gegen die NATO, gegen Merkel und gegen Hinz und Kunz. Zum Glück waren die meisten friedlich.
“Wer nicht springt, ist Kapitalist!”
Absolut genial waren die ganzen Sprüche, die auf Flaggen, Fahnen und Bannern prangten. Ein Pappschild mit dem Spruch “Jump, you fuckers!” brachte mich genauso zum Lachen wie das vom Megaphon unterstützte Massenhüpfen: “Wer nicht springt, ist Kapitalist!” und schon sprangen alle Helden in die Lüfte.
Das eigentliche Motto der Demo war ja “Wir zahlen nicht für eure Krise!“, und dieses rhetorische Meisterwerk stolzierte auf meterbreiten Plakaten vor der Menge her, die sich bei strömendem Regen an die Bockenheimer Warte stellte und flotte Sprüche blökte.
“Totaler Schwachsinn!”
Da wir natürlich für das Fernsehen anwesend waren – freiwillig würde ich mir so einen Mist gar nicht antun – befragten wir auch vorbeigehende Passanten, was sie von der Demonstration oder von solchen Protesten allgemein halten. Einige fanden es ziemlich gut, dass man sich stark macht für etwas, woran man glaubt, aber ein einzelner Herr gab den meiner Meinung nach allerbesten O-Ton überhaupt:
“Totaler Schwachsinn. Absolut idiotisch. Die Krise lässt sich nur durch Anpacken beheben, nicht durch Demonstrieren.“
Und ich muss sagen, ich stehe sehr hinter dieser Aussage. Warum? Ganz einfach, wenn man sich diese Leute einmal anschaut. Das sind größtenteils so richtig typische Klischee-Demonstranten, lange Rastalocken, abgerockte und zerfetzte Klamotten, ein durchdringend stechender Körpergeruch, und das ganze Blech in der Visage ist mehr wert als sie in einem Monat verdienen könnten. Und die fragen sich dann auch noch, wieso sie keinen Job haben. Also bitte, wie würde eine Bank aussehen, wenn die Kundenberater so aussehen und den Kunden mit Kornfeld-Handschlag begrüßen würden? Wenn man aus sich selbst schon nichts machen kann, wie will man dann aus einem Land etwas machen? Prioritäten, na klar, deswegen stehen sie auch Wochenende für Wochenende in einer anderen Stadt und halten Plakate in die Luft und folgen einem Zwerg mit Megaphon, als wäre er Gott.
Bestätigt wurde dieser Gedanke durch einen anderen O-Ton, diesmal von einer Mitstreiterin, die wirklich an vorderster Front stolzierte und sich wohl auch für eine Weltverbesserin hielt. Wir fragten sie, was denn so ihre Meinung zu dem ganzen Finanz-Spektakel sei und was sie denn für Forderungen stellen würde. Ihre Antwort lautete ungefähr:
“Ja, ähhh, wir sind gegen Kapitalismus und für, ähh, mehr Gerechtigkeit. Äh, wir wollen, öhm… Also mehr Gerechtig- ähh -keit und, öhh, ja Kapitalisten sollen sich selbst mal, öhm, weil das ist ja total, ähhh, naja eben ungerecht, nä? Ach, wissen Sie, das ist echt schwer zu formulieren.“
Prost Mahlzeit. Meine Antwort darauf war: “Natürlich ist es schwer zu formulieren, wenn Sie nicht mal genau wissen, was Sie eigentlich wollen.” Leider hörte sie das nicht mehr.
Aber das ist genau die Klientel, die ich nicht leiden kann. Immer Terror schieben, immer Stress machen, immer die Politiker beschuldigen wo es nur geht, auf jede Demo gehen und laut werden – aber was machen die Leute denn, was wirklich hilft? Nichts. Nachdem die Demo aufgelöst wurde, setzen sie sich mit einem lauten Ächzen in den Fernsehsessel, fühlen sich als hätten sie echt was bewegt und futtern fröhlich Chips in sich hinein. Hauptsache mal so getan, als hätte man was für sein Land bewirkt. Na danke. Diese Verlogenheit finde ich ziemlich dreist.
Krise?
Natürlich haben sie auch irgendwo Recht, wenn sich nichts bewegt, dann geht ja auch nichts vorwärts. Warum man aber die Vorwärtsbewegung vortäuschen muss, kann und will ich nicht verstehen. Da mach ich mir lieber Gedanken über das Abendessen, da bewege ich wenigstens wirklich was.
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Categories: 100 Wahrheiten, Lesestoff
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Wenn man auf die Straße geht und vom Recht Gebrauch macht, dann sollte man wissen wofür.