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100 Wahrheiten, Folge 10: VGF-Trolle

Freitag der 13.


Normalerweise bin ich ja ein absoluter Befürworter der VGF und des RMV. Gerade in Frankfurt total praktisch, man kommt wirklich überall hin, hat ein sehr gutes Netz aus Verbindungen, maximal 10 Minuten Wartezeit, und selbst mitten in der Nacht kann man mit ein bisschen Planung noch perfekt umherreisen.
Was ich aber gar nicht leiden kann, sind Kontrolleure. Egal was das deutsche Rechtssystem uns vorgibt, für die Jungs ist jeder zuerst mal verdächtig. Deswegen wird auch immer schön sauertöpfisch dreingeschaut, damit man ja nicht auf den Gedanken kommt, man könne sich mit ein paar netten Worten um das Bußgeld reden. Ich vermute ja schon immer, dass Kontrolleure so richtig typische Beamte sind, die außer Rüffel verteilen und Einkassieren keine Freuden im Leben haben.

So auch der kleine Troll, der mich Freitag morgens kontrollieren musste. “Bidde ma Fahrkadd zeige“, murmelte er in seinen nicht vorhandenen Bart hinein. Wahrscheinlich fehlten ihm für ein bisschen Autoritäts-Bartwuchs die Hormone oder so. Er nahm mein Plastikpäckchen mit Kundenkarte und Fahrkarten entgegen, drehte und wendete es ungefähr siebentausend Mal, bis er es mir mit einem diabolischen Grinsen wieder hinhielt, den Daumen knapp unter dem kleinen Aufdruck Gültig bis platziert. “Null neun null sibbe! Scho bissi länger abbgelaufe hä?“, teufelte er mich an. Ich persönlich lasse mich von sowas nicht beeindrucken, ich hab das schon mehrmals mitgemacht, die Kundenkarte zu erneuern ist mit Abstand das Sinnloseste was man als VGF-Kunde machen muss. Also schaute ich ihn nur an und sagte: “Jou.

Wahrscheinlich erwartete der Troll, dass ich ihn anflehe, er möge mich doch noch eine Haltestelle weiterfahren lassen. Da ich ihm das nicht gönnte, drehte er sich so, dass ihn der gesamte Rest der mitfahrenden Menschen gut im Blick hatte und begann, sein Mäppchen mit den Formularen aufreizend langsam hervorzuholen. “Hamse nochn Ausweis?“, fragte er mich, natürlich in der Hoffnung, dass das nicht der Fall sei und er mich mit auf die nächste Polizeiwache hätte schleifen können. Pustekuchen, Personalausweis ist für mich unabdingbar. Betröppelt nahm er auch meinen Personalausweis entgegen und fing an, meine Daten zu notieren.

Wie gesagt, ich hab das Theater schon mehrmals mitgemacht, das ist allerhöchstens eine Sache von drei Minuten. Jeder normale Vollidiot kann das. Aber dieser kleine Troll war wohl noch ein Eckchen dümmer als jeder normale Vollidiot, denn er verbrachte eine halbe Ewigkeit damit, mir diverse Quittungen und Mahnungen zu schreiben. Ich hatte schon fast angefangen, mit mir selbst zu knobeln, ob ich aussteige, bevor er mir den ganzen Papierkram überreichen kann, da wedelte er mir mit dem VGF-Schrieb direkt vor der Nase herum und blaffte laut durch den Waggon, damit es auch jeder versteht: “So, damit in die Zentrale, abgebbe, des kost 10 Euro un dann krigge Sie die Fahrkadd widder. Isch zieh die jetz ein, sie könne ja eh nix mehr mit anfange!” Da er es ja sicher tagtäglich mit Dutzenden von minderbemittelten Quoten-Assis zu tun hat, die ihm daraufhin die Hölle heißmachen wollen, wollte ich mal nicht so sein und sagte einfach nur: “Jou, ich weiß, ich kenn das.” Sein Grinsen wurde noch breiter. “Scho öfter gemacht, hä?“, nieste er mir entgegen, wahrscheinlich spekulierte er darauf, mir absichtliches Schwarzfahren in die Schuhe schieben zu können. Ich warf einen Blick nach draußen, meine Haltestelle war noch knappe 20 Meter entfernt, also nahm ich den Schrieb entgegen, stand auf und merkte, dass der Troll wirklich nur knappe 160 cm groß sein konnte. Kein Wunder, dass er sich so aufspielen musste.

Nun ja, mittlerweile hab ich bemerkt, dass mich eine normale Jahreskarte geteilt durch 12 gerade mal einen Euro mehr kostet als die Azubi-Monatskarte, und ab sofort werde ich das auch so machen. Dieser ganze Mist mit der Kundenkarte ist es wirklich nicht wert, sich von so einem frustrierten und garantiert kleinbepimmelten Troll vor einer ganzen Straßenbahn vollblubbern zu lassen. Und wenn mir wieder mal einer unterkommt, der meint, mich so zur Sau machen zu müssen, dann werde ich überlegen, ob es sich lohnt, ihn zu fragen, ob er es bei seiner koreanischen Prostituierten nicht mehr bringt, weil er beruflich so einen auf “Dicke Hose” machen muss. Zählt das als Beamtenbeleidigung? Ich bin nicht sicher, aber gut, das werde ich dann schon sehen.

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