Mongol
Hey Reiter, Ho Reiter!
Ich bin gerade dabei, die Screens für Mongol rauszusuchen, und ich bin immer wieder fasziniert, wie sehr mir die Worte bei diesem Film fehlen. Aber gut, ich will es trotzdem versuchen.
Mongol erzählt die Geschichte des Dschingis Khan, der irgendwann im 12. Jahrhundert gelebt und einen großen Teil des asiatischen Kontinents erobert hat. Klingt ja soweit alles recht spannend, oder? Aber der kleine Temudgin, wie er ursprünglich heißt, hat als Junge ganz andere Probleme als den asiatischen Kontinent. Sein Vater ist der momentan herrschende Khan, und als solcher hat dieser natürlich einen ganzen Haufen Verantwortung. Einerseits muss er seine Gefolgsleute durch die eisige Tundra führen, andererseits muss er die uralten Bräuche respektieren, die es ihm verbieten, einen Becher Milch von einer gegnerischen Truppe abzulehnen. Dann muss er seinem Sohn Temudgin, der gerade mal neun Jahre alt ist, erklären, wie eine ordentliche Braut auszusehen hat, damit er zu seinen Herrscherzeiten seine Bude nicht selbst putzen muss. Und zu allem Überfluss war die Milch von der gegnerischen Bande natürlich vergiftet, und so wird der kleine Temudgin zum neuen Herrscher. Nun beginnen die Probleme für ihn, denn keiner mag ihm den fragwürdigen Erfolg des Khan-Seins so richtig gönnen – und die passende Braut schon gar nicht.
Mehr gibt es zu der Geschichte eigentlich auch gar nicht zu sagen, da der Film so episch erzählt wird, dass man trotz der recht einfachen Story locker die ganzen zwei Stunden Laufzeit gebannt vor dem Bildschirm sitzt und mit Temudgin hofft. Egal, ob er nun von Wegelagerern überfallen wird, ob seine Freundin entführt wird oder sein bester Freund ihn zu hintergehen versucht, es ist und bleibt aufregend, so ein Khan-Leben.
Einen ordentlichen Teil dazu trägt die Kameraführung bei, die ich in diesem Film wirklich außerordentlich gut finde. Da ein Großteil der Szenen in der offenen Tundra spielt, hat man als Zuschauer einen enormen Ausblick auf die umfassende Weite der Mongolei, man spürt die Eintönigkeit und den ewigen Steppenwind. Die Bilder sind sehr dynamisch, man hat viel eher das Gefühl, selbst als Augenzeuge dabei zu sein, als eine Szene aus einem gut geschriebenen Drehbuch zu beobachten. Die Schauspielerei ist ebenso gut gelungen, die Darsteller sind mit Herz und Seele dabei und wirken keine Sekunde lang gekünstelt. Der Originalton in mongolischer Sprache mag für den ein oder anderen eine Hürde sein, für mich jedoch ist es eine noch getreuere Darstellung der Emotionen, die mich als Zuschauer immer wieder von Hoch zu Tief begleitet und weiter an den Monitor fesselt.
Da Mongol vielmehr Epos als Schlacht und Gemetzel ist, liegt das Augenmerk nicht unbedingt auf den Eroberungs- und Rachekämpfen des Dschingis Khan. Das heißt aber nicht, dass nicht gekämpft wird und kein Blut spritzt, oh nein. Zartbesaitete Gemüter machen sich in der Zeit vielleicht lieber einen Tee. Aber keine Sorge, es wird nie übermäßig brutal oder wahnwitzig unrealistisch.
Beeindruckend!
Screens

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