100 Wahrheiten, Folge 25: Nicknames
19. April 2009
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Gezwungene Kreativität ist schlecht
Wir alle kennen es, das Phänomen das das Internet und ein gewisser Schlag von Communities mit sich bringen: Die Nicknames.
Anfangs ging es los mit diversen Bilder-Voting-Seiten, wo es einfach auf Grund der Serverprogrammierung nicht anders möglich war, als dass jeder Benutzer einen einmaligen, eindeutig zuzuordnenden Namen hatte. Mittlerweile haben die Programmierer dazugelernt und versehen jede Neuanmeldung mit einer eindeutigen Zahlenkombination, über die man auf eine Datenbank zugreifen kann und so alles wichtige direkt auslesen kann. Der Vorteil davon ist, dass man sich – eigentlich – denselben Namen mit einem anderen Benutzer teilen könnte. Aber meistens will man ja entweder was verstecken, etwas vortäuschen oder einfach besonders auffallen. Und hier kommen die Nicknames ins Spiel.
Ich bin’s nicht
Diejenigen, die etwas verstecken wollen, geben sich meist irgendwelche sinnigen Abkürzungen als Nickname, ein blödes Rufwort mit einer Zahl hintendran oder ähnlich. Wie wäre es zum Beispiel mit Hallo85? Das sagt kaum etwas über die Person aus, ideal wenn man unter dem Radar bleiben will, könnte ja sein dass die Ehefrau was dagegen hat, wenn der Mann sich online austobt. Das Blöde an solchen Geheimniskrämern ist, dass sie auch sonst nicht viel Anlass zum Grinsen bieten, weil sie sich eben so bedeckt halten.
Ich bin das Nonplusultra!
Also lieber auf zur nächsten Sorte, die uns viel amüsanter vorkommt: Die Leute, die etwas vortäuschen wollen. Na klar, online kann man sich präsentieren! Hier kennt einen kaum jemand, hier kann man mal so richtig auf die Kacke hauen. Und das fängt dann natürlich schon bei der Wahl des Nicknames an, da werden die abenteuerlichsten Bezeichnungen, die sowieso meistens eher im Gegenteil zutreffen, ausgesucht. Ganz beliebt sind solche selbstverliebten Verhohnepiepelungen wie zum Beispiel:
- Loverboy
Er sucht verzweifelt nach einer Dame, die sich bereit erklärt, ihn zu entjungfern, damit er endlich bei seinen Kumpels angeben kann, dass er (auch) schon Sex hatte. Und dass er es ihr so richtig besorgt habe und sie behauptet habe, es gäbe keinen besseren als ihn, ist doch selbstverständlich. - Styler
Er hingegen kümmert sich nicht um Frauen, sondern nur um seine Karl-Kani-Jogginghosen, die in seinen Ed-Hardy-Socken stecken. Wenn es sogar ein Superstyler sein sollte, kann er natürlich noch mit einer schief sitzenden Hip-Hop-Kappe auf dem fettigen Haar protzen. - Player / Gigolo
Auch er ist auf der Suche nach einer Dame, allerdings hofft er, dass er durch seinen südländischen Charme vielleicht eher landet als ein Nordländer. Dass er eigentlich aus Nordrhein-Westfalen stammt, ist dabei ja egal. Man ist, wie man sich fühlt. - Sexy-Lady
Bei den weiblichen Abwandlungen ist es noch lustiger, dieses Wesen schimpft jeden Morgen vor dem Spiegel über die Speckrollen, die Falten im Gesicht, den Schwabbelhintern und die ekelhaften Füße. Aber sobald sie online ist, findet sie sich unwiderstehlich und versucht das anderen Leuten ebenso einzutrichtern. Mit ihren Fotos, auf denen sie knappe 4kg Schminke aufgeschichtet hat, gelingt das auch beinahe. - Chica / Chaya
Sie ist das Pendant zum Player/Gigolo, sie versucht durch südländische Einschläge zu punkten, weil ja die südllicheren Frauen angeblich so viel heißer sind als die aus Nordrhein-Westfalen. Auch sie ist eher ein bemitleidenswertes Wesen mit Selbstbewusstseinsproblemen und einem starken Hang zum Persönlichkeitsverlust. - Kleine Maus / Kuschelhase / Liebe Biene
Sobald sich ein Weibchen so oder ähnlich nennt, sollte man Bescheid wissen: Sie bringt mindestens ein Gewicht von 80kg auf die Waage. Auf den Bildern kann man das natürlich nicht erkennen, da sie nur ihr Gesicht zeigt, aber ihre persönliche Beschreibung lässt erkennen, dass sie sehr einsam ist. Wahrscheinlich sind die einzigen Wesen, mit denen sie bisher gekuschelt hat, ihre kleine Maus oder ihr Hase gewesen. Oder eine Biene. Aber gut, man kann sich ja schlecht Dickes Rhinozeros nennen, wenn man auf der Suche nach dem Traumpartner ist, oder? Oder?
Bitte, beachte mich!
Und zu guter Letzt gibt es noch die Benutzer, die einfach nur auffallen wollen. Wie wäre es mit einem Nicknamen, der nur aus Sonderzeichen besteht? Absolut cool fand ich ja den Nicknamen |||||| (sic!). Toll sind die Leute, die sich in kleine Grüppchen scharen, weil sie die einzigen sind, die eine supergeheime Geheimschrift verstehen, wie zum Beispiel 1337 5P34K, und so wird der normale Name Hans ganz schnell zu einem H4N$. Weitere Augenkrebs erregenden Abschaum-Namen will ich euch jetzt lieber ersparen. Da ist es mir persönlich noch lieber, wenn die Nicknames mit einigen Bindestrichen beginnen, damit man bloß auf jeder Liste ganz vorne ist. Oder warum sollte man seinen Nicknamen nicht gleich mit ein paar Rosenranken schmücken? Wie das geht? Ganz einfach: .oO-Xx. vor den Namen setzen, und schon sieht alles viel schöner aus. Variationen sind natürlich möglich und sehr erwünscht, je komplizierter, desto beliebter.
Fazit?
Meine Fresse, was bin ich froh, dass ich überall nur Julien heiße.
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Categories: 100 Wahrheiten, Lesestoff
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