100 Wahrheiten, Folge 12: Autofahren
22. Februar 2009
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Ich bin ein schlechter Beifahrer!
Es stimmt, ich gebe es gern zu. Ich bin wirklich ein schlechter Beifahrer. Wie sich das äußert? Nun, wenn ich nicht selbst fahre, bin ich selten entspannt, habe immer irgendwas zu meckern oder zu nörgeln, weiß immer den besseren Weg und habe das glücklichere Händchen beim Aussuchen des Radiosenders.
Woran das wohl liegen mag? Eine Theorie meinerseits ist, dass ich sehr davon überzeugt bin, selbst ein absolut guter Autofahrer zu sein. Letztens erst fragte mich ein Arbeitskollege, ob der Wagen in dem wir fuhren Automatikschaltung hätte, weil er von den sanften Kupplungs- und Schaltvorgängen überrascht war. Und sowas nehme ich dann natürlich gern als Kompliment auf, man ist ja schließlich Mann und muss gut Autofahren können. Rückwärts einparken klappt immer in maximal drei Zügen, enge Parklücken meistere ich mit gekonntem Lenkradkurbeln (an dieser Stelle möchte ich gerne der Autoindustrie für die grandiose Erfindung der Servolenkung danken!) und dem richtigen Winkel, schnelle Reaktionen und vorausschauendes Fahren sind sowieso unabdingbar.
Frauen am Steuer
Wenn ich nun aber Beifahrer bin und eine Frau am Lenkrad sitzt, verkrampft sich automatisch mein ganzer Körper. Ich beobachte mich dann immer selbst, wie sich mein linker Fuß fast durch den Unterboden drückt, weil ich automatisch den linken Fuß runterdrücke, wenn der Motor dank Bremsmanöver bei eingelegtem Gang auf 400 U/min und weniger gezwiebelt wird.
Bei Überholvorgängen schaue ich fast panisch in die Spiegel, weil ich im Augenwinkel gesehen habe, dass meine Fahrerin keinen sehr überzeugenden Schulterblick gemacht hat.
Wenn sie sich lieber auf ihre auf dem Lenkrad liegenden Fingernägel konzentriert als auf den Verkehr vor ihr, dann drückt automatisch mein rechter Fuß nach unten, weil mein Autofahrer-Gehirn mir mitteilt, dass wir uns mit knappen 30 km/h zuviel der Kolonne vor uns nähern und das ganz und gar nicht empfehlenswert ist.
Beim rückwärts Einparken ist es natürlich – bewiesenes Vorurteil – am schlimmsten, hier schließe ich schon beinahe mit dem Leben ab, wenn Frau das Lenkrad zaghaft einmal nach rechts dreht, 20 Zentimeter nach vorne ruckelt, einmal nach links dreht, überlegt, wieder einmal nach rechts dreht und 30 Zentimeter nach hinten ruckelt, und das alles mit einem Gesicht, als würde sie gerade eine Atombombe entschärfen und gleichzeitig noch mit acht brennenden Fackeln jonglieren. Manchmal kann ich mir das “Soll ich?” nicht verkneifen, und dann folgt meistens ein etwas mürrischer Blick, der mir sagt: “Du bist ein Arsch, ich weiß dass ich’s nicht kann!” Aber dann wird doch die Handbremse gezogen, der Gang rausgenommen, der Motor abgeschaltet und am besten noch das Fenster hochgekurbelt, bevor sie mich endlich auf den Fahrersitz lässt. Ich schiebe den Sitz geschätzte hundert Meter nach hinten, damit ich meine Knie nicht direkt im Gesicht habe, und in weniger als vier Sekunden habe ich das Auto eingeparkt und frage mich, wieso sie dafür den Motor ausgemacht hat.
Männer am Steuer
Bevor ihr mich wieder als Macho-Arsch beschimpft: Bei den meisten Männern am Steuer geht es mir nicht anders! Ich fühle mich meistens genauso unwohl wie bei Frauen, wenn auch aus anderen Gründen. Männer sind nun mal anders, die müssen wenigstens Autofahren können, und die meisten demonstrieren das mit einer winzigen Spur zuviel Gelassenheit.
An der Ampel werden zuerst die Reifen auf die notwendige Temperatur gebracht, indem er viel zuviel Gas gibt und die Kupplung viel zu ruckartig kommen lässt. Das Ergebnis lässt einen eher erschrecken, weil der Wagen einen unerwarteten Hüpfer nach links macht. Die Servolenkung kann also auch ihre Nachteile haben, wenn die Spur verstellt ist.
Vorausschauendes Fahren ist auch nicht so unbedingt jedermanns Sache, auch Männer rasen gern mal zu schnell auf den Vordermann zu, so dass ich die Beine anziehe und hoffe, nicht zerquetscht zu werden. Wenn ich mich mit der Hand an dieser tollen Halterung über dem Fenster festhalte, heißt das ungefähr soviel wie: “Bitte weniger Höllenfahrt.“
Allgemeine Verkehrsbeobachtung fällt natürlich auch flach, wenn das brandneue Clarion-Radio mit 5000 Watt-Bassanlage vorgeführt werden muss, da werden gern alle lustigen Equalizer-Display-Spielereien durchgeschaltet, während die Ampel schon länger grün zeigt. Männer haben so einen Hang dazu, mit ihren technischen Features und dem dazugehörigen Wissen zu protzen, was ich persönlich ziemlich doof finde. Wen interessiert es denn, dass die Doppelspule der Bassbox einen Rauschabstand von 94 dB hat, wenn einen der Hintermann mit seiner fünfköpfigen Familie im 3er BMW gleich über die Kreuzung schiebt?
Beim Einparken ist es ein bisschen besser, die meisten Männer beherrschen das ziemlich gut. Ausnahme sind natürlich solche Superhelden, die in einem einzigen Zug einparken wollen, es aber nicht können. Da gibt es nur eine Richtung: Vorwärts! Und da ist dann auch die hohe Bordsteinkante egal, die Felgen sind ja aus Metall, was soll schon passieren? Und scheiß doch drauf, wen interessieren überhaupt die anderen Autos, solange es nicht das eigene ist, das einen Kratzer abkriegt? Auweia.
Argh!
Ich gehe gerade in meinem Kopf so ein paar brenzlige Situationen durch, in denen ich dachte: “Wäre ich doch lieber gefahren!” Und das Verhältnis ist ziemlich ausgeglichen, sowohl Frauen als auch Männer haben mich schon ins Schwitzen gebracht. Ob es nun der Versuch ist, dank Gefälle und Rückenwind 210 km/h mit einem Renault R19 zu erreichen, bis der fünfte Gang einfach von selbst rausspringt, ein harmloses Übersehen einer Bodenwelle und ein darauf folgendes radikales Ausbrechen aus der Kurve und ein Bums mit einem anderen Auto und einer mit einer Mauer, oder das Anfahren am Berg mit 4500 U/min – ich habe schon so einiges erlebt, wo ich der festen Überzeugung war, dass ich in diesem Moment anders – und vor allem besser! – gehandelt oder reagiert hätte. Ich will nicht unbedingt sagen, dass ich der perfekte Autofahrer bin, aber ich denke, ich habe sowohl Talent dafür als auch viel Erfahrung. Und ganz wichtig: Ich lerne aus meinen Fehlern, was ich von manch anderem Autofahrer oder manch anderer Autofahrerin nicht gerade behaupten kann.
Es ist wohl wirklich nicht einfach, mich als Beifahrer zu haben. Einfachste Lösung: Lasst mich fahren. Oder schlagt mich bewusstlos. Oder gebt mir Valium. Oder alles zusammen. Das wird lustig.
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