100 Wahrheiten, Folge 16: Handtaschen
9. März 2009
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Die Geißel der Ordnung
Wir alle kennen das Phänomen: Man ist irgendwo unterwegs und wird natürlich auf dem Handy angerufen. Im Normalfall ist dieser Anruf sogar noch extrem wichtig, denn immerhin hat man ja ein Handy, und wer auf dem Handy anruft, ist immer wichtig. Beim Mann ist das eigentlich gar kein Problem, es klingelt, ein schneller Griff in die Hosentasche und spätestens vier Sekunden später ist das Gespräch angenommen und bereits in vollem Gange.
Ihr ahnt es sicher schon – bei der Frau sieht das alles ganz anders aus. Da klingelt das Handy erst mal eine Weile fröhlich herum, ohne dass es überhaupt zur Kenntnis genommen wird. Wieso? Weil die tolle Handtasche von George, Gina & Lucy aus hochwertigem Leder ist und so wunderbar isoliert, dass man keinen Pieps mehr hört. Wenn dann irgendwann die Vibration wahrgenommen wird – und nicht mit hochrotem Kopf ignoriert wird, weil Frau denkt, sie hätte ihren Massagestab aus Versehen eingepackt – wird zuerst mal die Quasselfreundin nebendran mit einem “Moment mal.” ruhig gestellt.
Und dann geht es los. Da wird in der Handtasche rumgewühlt, dass jeder Totengräber neidisch werden würde. Frauen scheinen manchmal die Gesetze der Physik außer Kraft zu setzen, indem sie in eine Handtasche doch tatsächlich mehr Dinge reinstopfen, als Platz darin ist. Und was sie da alles zur Seite schaufeln müssen, um einfach mal an das Handy zu kommen…
Wenn unsere Frau es dann tatsächlich geschafft hat, das Handy zu finden, bevor der Anrufer entnervt aufgegeben hat, wird aber auch nicht direkt das Gespräch angenommen, nein nein. Die nächsten acht Sekunden wird beinahe fassungslos auf das Display gestarrt. Entweder der Anrufer ist unserer Frau nicht bekannt und somit unbeliebt, oder aber unsere Frau hat ganz einfach schlechte Augen und kann nicht mehr so gut sehen. Nun ja. Dass das Handy während des fassungslosen Starrens unbeirrt weiterklingelt, hat gefälligst keinen zu stören, schließlich ist das wichtig!
Wenn das Gespräch dann irgendwann mal beendet wird – was problemlos vier Stunden später sein kann – wird das Handy auch wieder genauso achtlos in die Tiefen der Handtasche gefeuert, ist ja egal ob gleich wieder jemand anruft.
Was passiert eigentlich mit dem Handy, wenn es wieder zurück in die Handtasche geworfen wird? Wie tief fällt es? Worauf landet es?
Nun, da Frauen einen Hang dazu haben, teure Elektronik sagenhaft unvorsichtig zu behandeln, fällt das Handy mindestens fünf oder zehn Meter tief, bis es genau auf der Kante des kleinen Schminkspiegels landet, die natürlich einen Kratzer in das Display schürft. Von dort aus prallt es ab, segelt weitere drei Meter nach unten, bis es auf einer Ladung Medikamente landet, denn Frauen haben ja immer alle möglichen Medikamente dabei, von Aspirin über Paracetamol bis hin zu Ibuprofen. Von den Medikamenten wiederum fällt es noch ein Stockwerk tiefer, direkt auf die kleine Blechdose in der sich seit neun Jahren die Notration Tampons befindet. Wenn die Frau einen guten Tag hat, bleibt das Handy nun dort irgendwo liegen und röchelt kaum merklich nach Hilfe, was ja leider ungehört bleibt, da die tolle Handtasche von George, Gina & Lucy aus hochwertigem Leder ist und so wunderbar isoliert, dass man keinen Pieps mehr hört. Wenn die Frau einen schlechten Tag erwischt hat, kann es durchaus sein, dass das Handy noch ein paar Stationen mehr vor sich hat und schlussendlich durch ein Loch im Taschenboden auf die Straße fällt. Komischerweise ist die Fallstrecke von Handtasche zu Boden wesentlich kürzer als die Fallstrecke innerhalb der Handtasche selbst. Physik, der natürliche Feind der Frauen.
Und nicht zu guter Letzt: Wenn Männer eine Tasche kaufen, kostet sie vielleicht 30 Euro, wenn es eine relativ normale Tasche ist. 50 Euro, wenn vorne ein toller Markenname draufsteht. Zwischen 60 und 80 Euro, wenn es eine echt tolle Tasche ist, mit vielen Fächern und allgemein sehr praktischen Utensilien.
Wenn Frauen eine Handtasche kaufen, kostet das Basismodell schon mindestens 100 Euro. Und das ist dann nur so ein winziges Täschchen, wo kaum ein Lippenstift reinpasst. Für ein zweites Fach kommen dann direkt noch mal 100 Euro dazu. Immerhin schon zwei Lippenstifte.
Gehen wir einfach mal davon aus, dass unsere typische Frau knappe 300 Euro für eine Handtasche ausgibt, die mit kolossalen drei Fächern unfassbaren Stauraum bietet, vorne eine tolle Schnalle dran hat die aussieht als handele es sich hier um einen Fallschirm der Bundeswehr, die absolut “Tooooll!” aussieht und der jede Frau in der Stadt neidisch hinterherschauen wird. Klingt doch soweit alles super, oder? Ist Frau nun endlich zufrieden?
Nein. Die Handtasche passt nicht zu den neuen Lederstiefeletten, die mit dem süßen Riemen. Mal schauen, ob sich im exklusiven Modegeschäft eine Handtasche mit süßem Riemen finden lässt. Und die typische Frau findet sogar eine, die kostet zwar 450 Euro, aber sie ist herabgesetzt von 600 Euro, das ist natürlich für jede Frau das ausschlaggebende Kaufargument. Also her mit der Handtasche mit süßem Riemen.
Doof nur, dass diese jetzt einen goldenen Verschluss vorne hat, der sich mit dem silbernen Verschluss des Mantels beißt.
Argh. Durchatmen. Froh sein, dass man ein Mann ist.
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Categories: 100 Wahrheiten, Lesestoff
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