100 Wahrheiten, Folge 56: Bumm Bumm!
5. Januar 2011
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Silvester 2010 – 2011
Silvester in Frankfurt wird auch jedes Jahr gefährlicher. Letztes Jahr waren mein Bruder und ich schon abends um zehn draußen und haben den Großteil der Böller abgeschossen, weil wir keine Lust auf so einen riesigen Trubel hatten. Dieses Jahr hingegen wanderten wir auf den Lohrberg, um dort in Ruhe ein bisschen Frankfurt-Panorama genießen zu können. Die ganzen Verrückten sind ja eh immer am Mainufer, also sollten wir da oben doch einigermaßen in Sicherheit sein. So dachten wir zumindest.
Tatsächlich sah es allerdings ein bisschen anders aus. Die Parkplätze waren zwar fast alle frei, aber an den Aussichtspunkten drängelten sich schon die Massen. Ganze Familien und Clans rotteten sich dort zusammen, um mit ihren vier oder fünf Generationen das Feuerwerk über Frankfurt bewundern zu können. Unser Glück war, dass wir schon um kurz nach elf dort waren, sonst hätten wir wohl gar keinen Platz mehr gefunden.
Relativ schnell schritt dann auch die Zeit voran, es wurde kälter und die Leute wurden hektischer, und wie das nun mal so ist, mussten einige schießwütige Leute schon viel zu früh ihren ganzen Krempel abfeuern, also konnte man zeitweise vor lauter Rauch fast kein Frankfurt mehr sehen. Trotzdem baute ich meine Kamera auf und probierte ein paar Einstellungen durch, um mich mal ein bisschen der Feuerwerksfotografie zu widmen. Ein paar gute Aufnahmen sind mir auch geglückt, wie ich finde.
Aus Spaß wird Ernst
Natürlich mussten aber auch – wie jedes Jahr – wieder ein paar Idioten unterwegs sein. Dieses Jahr war es eine Bande halbstarker Jugendlicher (die allesamt türkisch gesprochen haben, aber man will ja nicht mit dem Finger zeigen), die ihre selbst gebastelten oder aus Polen eingeschmuggelten Kracher direkt in die Menschenmenge warfen. Irgendwas traf mich am Bein, ich sah runter und konnte gerade noch einen kurzen Blick auf den Böller werfen, der da 20 Zentimeter neben mir und genau unter meinem Kamerastativ lag, dann explodierte das Ding auch schon und überschüttete mich mit glühenden Funken, die sich ins Jackenfutter einnisteten und mir ein paar Verbrennungen am Handgelenk bescherten. Eine Bekannte wurde vom explodierten Überrest am Bein getroffen und hat dort nun einen ziemlich großen blauschwarzen Fleck.
Das war dann unser Signal, dass wir uns lieber auf den Heimweg machen sollten. Der Bande konnte man vorwerfen was man wollte, das würde eh keinen interessieren, und bevor man noch weitere Böller hinterhergeworfen bekommt, macht man sich eben doch lieber aus dem Staub. Und das sogar wortwörtlich: Zuhause angekommen schüttelte sich jeder von uns ein knappes halbes Kilo Asche und Staub aus den Haaren und Klamotten.
Was lernt man also daraus? Im nächsten Jahr werden wir wohl wieder zu einer anderen Uhrzeit rausgehen, wenn überhaupt… Böller werde ich auch keine mehr kaufen, ich hab ja noch einiges übrig, weil ich nicht dazu kam, alles abzufeuern. Und sobald wir in der Nähe eine Gruppe minderbemittelt aussehende Neudeutsch-Rumrotzer in Jogginghosen sehen, suchen wir uns einen anderen Platz. Ein guter Vorsatz – so kann das neue Jahr anfangen. Willkommen, 2011!
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Categories: 100 Wahrheiten, Lesestoff
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