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Archiv für Mai, 2010

100 Wahrheiten, Folge 53: Grillschwein, Pizzastein

25. Mai 2010 Keine Kommentare

The Do’s And Don’ts Of The Art Of Eating


Bei diesem schönen Wetter kann ich eigentlich ständig nur einen einzigen Gedanken denken: “Wenn Vegetarier wüssten, was sie verpassen!” Kaum zu glauben, was einem entgeht, wenn man kein Fleisch isst.
Jedenfalls sitze ich seit Tagen ständig nur auf der Terrasse oder im Garten, lasse mir die Sonne auf den Pelz brennen und bin praktisch so zufrieden, als hätte ich alles, was man sich nur wünschen kann. Das ist zwar nicht unbedingt der Fall, mir fehlt immer noch Jessica Albas Handynummer, aber ich bin wohl auch mit den kleineren Glücken zufriedenzustellen, wie zum Beispiel mit Grillen.

Steaks

Für dieses Wochenende hab ich für knapp 30€ Fleisch eingekauft, und wie es sich gehört, war ich im schicken Rewe und hab dort an der Frischfleisch-Theke auf dies und jenes gezeigt. Die nicht gerade motivierte Dame hinter der Theke packte mir alles schön fest ein und schwang das Päckchen mit einiger Mühe zu mir rüber, wo ich es mit einiger Mühe auffing. Der Nachhauseweg war beschwerlich. Nicht weil das Fleisch so schwer war, sondern weil ich solche Lust hatte, es noch unterwegs auf einen mobilen Grill zu hauen. Oh, Marktlücke. Ein Campingkocher zum Umschnallen, für den Grillgenuss für unterwegs.
Am Sonntag brezelte die Sonne dann erwartungsgemäß mit schnuckeligen 26° C auf uns herunter, und wir brutzelten feinstes Rinder-Hüftsteak in pikanter Chili-Marinade. Es kommt wirklich selten vor, dass ich mal von einem einzelnen Steak satt werde, aber bei diesen Brummern war das tatsächlich der Fall. Ein großes Steak, und ich musste schon pausieren. Kneifen ging allerdings nicht, echte Gref-Völsings Rindswurst wollte ja auch noch verspeist werden. Leider ließ ich eine Wurst etwa zehn Sekunden zu lange auf dem Grill; sie explodierte ein bisschen und benetzte mich mit Wurstsaft. Jetzt weiß ich, wie sich Pornodarstellerinnen fühlen. Eiiii, der war ja grausig schlecht.

Für heute (Montag) gab es dann noch diverse Schweine-Rücken-Steaks und Bratwürste, aber nach vier Steaks und vier Würstchen waren wir auch schon wieder für’s Erste befriedigt, und so probierten wir endlich mal das aus, was wir uns schon länger überlegt hatten: Pizza auf dem Grill.
Vor ein paar Jahren schon hatte ich meinem Bruder mal so einen Pizzastein geschenkt, ich weiß gar nicht mehr ob er da Geburtstag hatte oder ob einfach nur Donnerstag war, jedenfalls lungerte der Stein schon Ewigkeiten in unserer Abstellkammer rum, ohne in Benutzung zu sein. Im Backofen hatte das Ding nicht wirklich funktioniert, weil der wohl nicht heiß genug wurde, also dachten wir uns: Glühende Kohlen dürften heißer sein als die läppischen 200° C vom Backofen! Ergo: Glühende Kohle flach gemacht, Pizzastein draufgeworfen, kurz gewartet und PLOTSCH! die Pizza drauf.
Würde es funktionieren? Würde der Boden knackig-kross werden? Würde der Käse zerlaufen? Würde die Salami angeröstet sein? Würde die Pizza nach Asphalt schmecken?
Kurzum: Nein, es hat nicht funktioniert. Der Pizzastein war wunderbar heiß, und es hätte vielleicht mit einer anderen Pizza geklappt, die eben nicht aus der Tiefkühltruhe kommt. Es gibt doch diese Pizza aus dem Kühlschrank, vielleicht so… Vielleicht muss man aber auch wirklich selbst Teig machen, schön dick mit Mehl einpudern und dann selbst saftig belegen. Mit der Tiefkühlpizza jedoch war es ein echtes Desaster. Der Boden wurde ziemlich schnell knackig-kross, aber der Belag war noch fast gefroren. Der Käse fing irgendwann an zu verlaufen, aber die Champignons waren noch hart. Als Schinken und Salami endlich ein bisschen angeröstet waren, glänzte der Pizzaboden schon teilweise im tiefsten Grillschwarz.
Probieren geht bekanntlich über Studieren, also bissen wir jeder einmal in die Pseudo-Pizza hinein – und hätten am liebsten den Bissen gleich wieder ausgespuckt. Geschmacklich war das nicht nur ein Desaster, sondern eine echte Katastrophe. Roher Tiefkühlpizzabelag mit verkohltem Teig dazu… Wenn man einem Marathonläufer kurz nach dem Wettkampf vor Bewunderung die Füße küsst, schmeckt es sicherlich nicht großartig anders.

Gut finde ich, dass wir aus solchen Sachen lernen. Man muss eben alles mal ausprobiert haben, um zu wissen wie es sich verhält, und jetzt wissen wir: Pizza sollte man nicht grillen. Auf den Grill gehört eben doch nur feinstes Fleisch, und als Beilage vielleicht mal ein Kräuterbutterbaguette, aber das war’s dann auch schon.
Ich freue mich schon, wenn ich morgen wieder einkaufen gehen kann, um ein bisschen auf Vorrat zu grillen, wenn es dann am Mittwoch wieder Regen geben soll. Und dann sitze ich unter der Markise, atme die Sommerregenluft ein, knabbere an meinem Steak und warte auf eine SMS von Jessica Alba, die mir schreibt, dass sie ihr Fleisch gern selbst marinieren würde.

Categories: 100 Wahrheiten, Lesestoff
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