Guude Jungs, wie dann?
Ich weiß schon wieder nicht genau, wie ich den Blogeintrag beginnen soll. So ein Mist.
Worüber will ich diesmal schreiben? Über Begrüßungen und Küsschen und Handgeschüttel und vergleichbar komisches Verhalten. Wie fange ich an? Gute Frage.
Mir fällt es irgendwie in letzter Zeit wieder vermehrt auf, dass sich ein gewisser Schlag Menschen, vornehmlich solche, die laut in ihr Handy brüllen, dass sie ihre Brüder holen, eine für mich sehr verstörende Art der Begrüßung ausgesucht hat. Es war ja früher schon
in, wenn man mit seinen Kumpels so krass dicke war, dass man ihnen sogar einen Backenkuss geben konnte, aber ich dachte (oder hoffte), dass diese peinliche Phase es nicht über die neunte Klasse hinaus geschafft hätte. Komischerweise scheint das doch der Fall zu sein.
Da ich nun mal Frankfurter bin, sehe ich eigentlich täglich eine Mehrheit der Jogginghosenträger, die sich auf diese seltsame Art begrüßen. Da wird irgendeine fremde Sprache geblubbert (ich verstehe nicht mal, welche das ist), die Hände werden eingeschlagen und man zieht das Gegenüber an die eigene Backe, um ihm so ein Küsschen aufzudrücken. Eins links, eins rechts. In manchen Fällen sogar noch ein drittes Küsschen links. Soll das cool aussehen? Soll das aussehen, als wäre man gut befreundet? Soll das vermitteln, dass man krass ist?
Ich muss ehrlich sagen: Es sieht schwul aus. Und zwar nicht so Beleidigungs-schwul, nicht so “Ey du bist schwul aller“-schwul, sondern wirklich homosexuell. Dafür, dass die Leute immer so homophob wirken, wenn man sie auf das Thema anspricht, scheinen sie es ziemlich ausgiebig zu zelebrieren, wenn sie einen angeblich guten Grund dafür haben.
Jetzt werden ein paar sich denken: “Na und? Du musst ja nicht mitmachen.” Fast richtig. Ich war auf einer Frankfurter Schule, und da gab es teilweise Leute, die ausschließlich so begrüßt werden wollten, und wenn man ihre Annäherungsversuche nicht erwidert hat, waren sie mehr als nur beleidigt. Wenn man sie darauf ansprach, dass es schwul aussähe, bekam man gerne mal einen Schlag irgendwohin. Und wenn man ihnen ganz nüchtern und ernsthaft klarmachte, dass man ihnen viel lieber auf normal-männliche Weise die Hand gibt, bekam man erst recht einen Schlag irgendwohin. Angeblich wäre das eine feindliche Geste gegenüber der Religion des Betreffenden. Ach? Seit wann steht in irgendeiner Religion geschrieben, dass man seine Freunde oder auch beinahe unbekannte Leute mit Backenküsschen begrüßen muss? Ich bin mir sogar sehr sicher, dass es laut einigen Religionen eher höllenmäßige Strafen hageln sollte, wenn ein Mann einem anderen Mann, der nicht allernächster Blutverwandter ist, so nah kommen sollte.
Und selbst wenn es so wäre, warum sollte man sich zu etwas zwingen lassen, was man nicht mag, nur weil es der Religion des anderen entspricht? Ist man gezwungen, nach derselben Religion zu leben und somit zu begrüßen? Ich dachte, in Deutschland wäre Religionsfreiheit geboten. Aber sobald man dieses Wort anspricht, hat man ja schon wieder gleich eine Faust irgendwo.
Ebenso verquer beobachte ich so manch coole Cliquen-Kinder, die sich einen Handschlag zur Begrüßung ausgedacht haben, der dem Klischee der amerikanischen Sorority nicht fern ist. Handfläche, Handrücken, Handfläche, Knöchel, Fingerspitzen, dabei dreimal laut mit der Zunge schnalzen, einmal um die eigene Achse drehen und wieder Handfläche. Wenn man auf eine Gruppe von fünf Leuten stößt, ist man da doch locker eine Viertelstunde mit komplizierter Handgelenksgymnastik beschäftigt…
Wenn ich jemanden begrüße, dann reicht mir eigentlich ein normaler Handschlag. Wenn ich mich mit jemandem wirklich gut verstehe, dann ist es auch schon mal so ein richtiger Handschlag auf Brusthöhe, eventuell noch mit einer Hand auf den Rücken des anderen, aber selbst da ist die Sache nach zwei Sekunden wieder gelaufen. Was ist bloß aus den guten, alten Klassikern geworden?
Naja, nun habe ich den Eintrag mehr oder weniger so hingemetzelt, könnte sein dass er schlecht geworden ist, ich bin gerade nicht so sicher, ich hab ein bisschen Hunger und bin deswegen leicht unkonzentriert. Außerdem fängt das Wochenende gerade an, und ich vermute, es wird super. Vielleicht kann ich ja ein paar Leute mit Handschlag begrüßen.
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Einstein, du Sack!
Zeit ist relativ. Das behauptete zumindest so ein alter Knacker vor einigen Jahren, der sich irgendwie wichtig machen wollte. Und vielleicht hatte er damit gar nicht mal so unrecht.
Kennt ihr das, wenn ihr zuviel Zeit habt und sie irgendwie totschlagen müsst – aber es gelingt einfach nicht? Der Sekundenzeiger bewegt sich im Minutentakt, der Minutenzeiger nur im Stundentakt, und das liegt nicht an der Uhr, sondern einfach daran, dass die Zeit – oder unsere Auffassung davon – sehr relativ ist.
Ich persönlich merke das jedes mal wieder, wenn ich auf irgendetwas warte. Heute saß ich in der Redaktion und wartete auf den Feierabend, der um 16:30 Uhr läuten sollte, aber irgendwie dauerte es Ewigkeiten, und so schlief ich irgendwann auf dem Sessel ein, erwachte wieder, döste wieder ein bisschen, schlug wieder mal die Augen auf, drehte mich hin und her, döste wieder eine Runde und sah dann endlich mal wieder auf die Uhr. Ich hatte erwartet, dass mein Nickerchen vielleicht eine halbe Stunde verschlungen hätte, aber Pustekuchen, es waren gerade mal ein paar Minuten, noch nicht mal eine Viertelstunde.
Das Blöde ist ja, dass es auch andersrum funktioniert. Wenn ich morgens früh aufstehen muss und meinem Handywecker noch neun Minuten Schlummern abverlange, vergehen komischerweise nur maximal zwei Minuten, bis die neun Minuten vorbei sind. Wie ungerecht eigentlich! Also noch weitere neun Minuten Schlummern, aber diesmal dauern die neun Minuten sogar nur eineinhalb Minuten. Das wird ja immer kürzer.
Wenn ich es dann eilig habe, zur Bahn zu kommen, rennt die Zeit noch schneller als sonst, da kann ich machen was ich will, ich brauche einfach doppelt so lang zur Haltestelle wie an einem normalen, nicht-eiligen Tag.
In der Bahn bleibt das Schema bestehen, die Bahn kommt kaum vom Fleck und steht stundenlang an der Haltestelle, um auch noch die letzten zockelnden Rentner einsteigen zu lassen, während die Uhrzeit anscheinend einer exponentiellen Funktion gehorcht und immer um das Doppelte fortschreitet.
Endlich in der Redaktion angekommen, ändert sich das Schema wieder, und es wird einfach nicht später, und man fürchtet, man kommt nie in den Feierabend, ohne vorher mindestens zwei mal geschlafen zu haben.
Ein lustiges Phänomen ist mir auch letztens beim Autofahren aufgefallen, da bin ich eine sehr routinierte Strecke gefahren, das Radio dudelte irgendwas belangloses, und ich versank irgendwie in Gedankenlosigkeit, und die Strecke von über 40 Kilometern fuhr sich fast wie von selbst. Ich war selbst ziemlich überrascht, wie schnell wir ankamen, denn ich wusste gar nicht mehr, wie lange ich gefahren war.
Die Kehrseite der Medaille durfte ich erfahren, als mein Bruder und ich uns nach einem Tanzabend im A66 (lacht nicht!) nachhause fahren lassen wollten und die Fahrerin einen Unfall baute. Ich konnte mich hinterher noch an jeden einzelnen Gedanken erinnern, den ich im Moment des Aufpralls hatte, und es schienen an die hundert gewesen zu sein, obwohl der eigentliche Unfall doch so faszinierend schnell ging. Wir rauschten auf den roten Golf zu, und ich dachte wortwörtlich: “Na, das ist jetzt nicht so gut.” Nachdem wir ihn gerammt hatten, kam die gegenüberliegende Mauer immer näher und mir schoss ein “Na, das ist jetzt wirklich nicht gut!” durch den Kopf. Und all die Gedanken, die ich hatte, als ich sah, wie sich die Motorhaube verbog, wie die Airbags aufplatzten, wie jede Menge Haare durch die plötzlich verrauchte Luft flogen, konnte ich danach mit erstaunlicher Klarheit rezitieren. Ich bin nicht sicher, es könnte natürlich sein, dass ich sie mir erst im Nachhinein überlegt habe und einfach nur dachte, sie wären schon in dem Moment entstanden, aber es fühlte sich eben nicht so an, als wären sie später gekommen.
Scheint, als wäre Zeit echt relativ. Oder zumindest unsere Auffassung davon. Was denkt ihr?
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Prüfungszeit
Ich muss irgendwie immer noch lachen, wenn ich an die Situation zurückdenke, die mich veranlasst, hier und jetzt über dieses Thema zu schreiben. Aber ich fange ganz von vorne an.
Am Donnerstag hatte ich mit all meinen Berufsschulkollegen die theoretische Abschlussprüfung, so richtig ernst,
Das ist keine Übung und nach allen Regeln der IHK-Kunst. Wir saßen mit knapp 40 Mann in der Aula verteilt, jeder mit seinem schön offiziellen Prüfungsbogen vor sich, und der Lehrer ließ gleich zu Anfang verlauten: “
Es gibt keine gelben Karten. Wer betrügt, kann gehen.“
Nicht, dass wir solche Sprüche nicht schon hundertmal gehört hätten, aber irgendwie wussten wir doch alle, dass man es sich zumindest in der Abschlussprüfung nicht versauen sollte. In den normalen Klausuren kam es immer mal wieder vor, dass ein Handy klingelte, ein Briefchen entdeckt wurde oder diverse Zeigefinger drohend erhoben wurden, aber in einer normalen Klausur sollte das ja nicht allzu tragisch sein. Bei einer Abschlussprüfung, quasi dem Endergebnis von drei Jahren Qual, sieht es allerdings anders aus. Dachten die meisten zumindest.
Ein spezieller Kollege, der eigentlich sonst eher als Bravbubi und Streber bekannt war, dachte da offensichtlich anders. Er stand während der Prüfung auf und marschierte in Richtung Tür, um auf Toilette zu gehen. Da er dabei an meinem Tisch vorbeikam, hustete ich ihm ein leicht hämisches Hähähä hinterher, völlig ohne Hintergedanken oder ähnliches. Als er dann nach ein paar Minuten wieder reinkam, und zwar mit dem Schulleiter im Schlepptau, war ich eher verblüfft als hämisch.
Da hatte besagter Kollege doch tatsächlich draußen im Flur direkt vor der Tür gestanden und an seinem iPhone rumgespielt. Und natürlich wurde er prompt vom Schulleiter erwischt.
Jetzt überlegt euch das mal. Man geht in der finalen Prüfung raus, um zu spicken. Gut, das ist noch nachvollziehbar. Aber man geht nicht etwa auf die Toilette, sondern bleibt vor der Tür stehen. Das ist schon dumm. Man holt also das iPhone raus und drückt darauf rum, wo doch jeder mittlerweile weiß, dass man mit den Dingern mehr als nur Telefonieren kann. Das ist schon sehr dumm. Und dann lässt man sich auch noch vom Schulleiter erwischen, der rein zufällig gerade vorbeispaziert! Das ist schon atemberaubend dumm.
Ich dachte in der Situation wirklich, dass es allerhöchstens noch schlimmer hätte kommen können, wenn ihm dann vor Schreck noch die Hose runtergerutscht wäre.
Es gab natürlich einen ordentlichen Anpfiff, und ein paar Minuten und ein Telefonat mit dem IHK-Juristen später war klar: Prüfung gelaufen, in sechs Monaten noch mal versuchen. Danke sehr und gute Nacht.
Der Kollege versuchte natürlich jedem klarzumachen, dass er das Handy nur auf lautlos gestellt habe, aber… Naja, ich denke, ich würde das in seiner Situation auch sagen. Vielleicht glaubt er es ja irgendwann selbst, wenn er es sich und den anderen nur lange genug einredet.
Ich kann nur von Glück reden, dass es bei mir eigentlich nur in Gymnasiumszeiten mal ein paar Spick-Probleme gab, die aber nie der Rede wert waren…
Einmal hatte ich mir für ein Französisch-Referat einen kleinen Zettel mit allen Fakten geschrieben, und die Lehrerin meinte, sie könne die kleine Schrift nicht lesen und würde deswegen den Zettel nicht als Spicker werten. Wobei das ja bei einem Referat eigentlich kein Problem darstellen sollte.
In all den anderen Fällen war ich entweder so unauffällig oder so harmlos aussehend, dass mir einfach nicht zugetraut wurde zu spicken. Die meisten taten das aber auch immer so übertrieben vorsichtig, dass man einfach hinschauen musste, selbst wenn man ein ergrauter alter Beamter war. Ich fragte mich dann immer, wieso man nicht einfach eine ganz natürliche Bewegung in die Tasche macht, ein Taschentuch und gleichzeitig das zusammengefaltete Papier herausholt, die Nase putzt und den Zettel dabei auf den Tisch legt, zu den anderen Blättern. Wenn ich mal spicken wollte, habe ich es immer so getan, und ich bin nie aufgefallen.
Meistens war aber nicht mal das nötig, schon allein die Aktion, den Spicker zu schreiben, war eine bessere Lernmethode als alles andere. Das wurde uns dann auch irgendwann gegen Ende der Schulzeit von den Lehrern empfohlen: “Schreibt euch Spicker, aber benutzt sie nicht.“
Hätte der Berufsschulkollege sich mal zuhause einen Spicker geschrieben… Nun ist er ein weiteres halbes Jahr Auszubildender. Dumm gelaufen.
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Die Franzosen kommen
Nicolas Chapel heißt der Mann, der hinter der Band
Demians steht und seine unglaublich amüsante Auffassung der englischen Sprache Song für Song in das Mikrofon haucht und flüstert. Franzosen können nun mal kein Englisch, aber dafür können sie recht sanften Progressive Rock zaubern.
Irgendwie finde ich es ein bisschen lustig, dass es fast mehr Hintergrundinformationen zu
Demians gibt als Musik… Bisher war das immer andersrum. Tja, die Franzosen.
Tracklisting
Wie, nur neun Tracks auf der kompletten CD? So ein Beschiss, denkt man sich. Aber halt – die Lieder sind teilweise so lang, dass man denkt, man hört mehrere hintereinander. Und dafür, dass der kleine
Nicolas Chapel die komplette Platte quasi im Alleingang komponiert hat, ist das schon recht ordentlich.
- The Perfect Symmetry
- Shine
- Sapphire
- Naive
- Unspoken
- Temple
- Empire
- Sand
- Earth
Mein Tipp!
Ich bin durch das Lied
Temple auf den Geschmack gekommen, und ich denke, wenn ihr mal ein bisschen auf die kunstvolle Aufbereitung der musikalischen Klammern achtet, werdet ihr mir da zustimmen. Nicht jede Band kann einen musikalischen Höhepunkt so feinfühlig vorbereiten.
Es ist höchstens ein bisschen schade, dass dieser Genuss durch das eher unfreiwillig komische französische Englisch getrübt wird, aber darüber sollte man hinwegsehen können.
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