100 Wahrheiten, Folge 19: Duschen oder Baden
22. März 2009
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Eine Frage der Reinlichkeit
Irgendwie scheiden sich die Geister, wenn es um Duschen oder Baden zur Reinigung des Körpers geht. Ich frag mich immer, wieso da so ein Terz drum gemacht wird, es ist doch beides Wasser, oder? Obwohl, vielleicht darf ich an dieser Stelle mal einen Songtext zitieren, auch wenn ich vergessen hab von wem er kommt, da ich zu faul bin aufzustehen und an meine Musiksammlung zu gehen:
I say, take a bath fat nigger.
He says bath don’t make no sense, I say why’s that, he says sitting in your ass water!
Und noch ein Zitat aus Friends aus einer entsprechenden Folge:
Chandler: You’re just sitting there, stewing in your own filth!
Laut einigen Leuten ist es also praktisch unsinnig zu baden, weil man dabei quasi nicht sauber wird, sondern einfach in seinem eigenen Dreck hockt. Gut, das mag vielleicht Sinn machen, aber mir persönlich geht es beim Baden gar nicht so sehr um das Sauberwerden selbst.
Für mich ist Baden irgendwie eher ein Mittel, um zu entspannen, um sich in Ruhe mit dem Quietscheentchen vergnügen zu können und um verkrampfte Muskeln zu lockern. Ich bade lieber, wenn ich einen harten Arbeitstag hinter mir hab und mal eine halbe Stunde Ruhe brauche. Dass man sich beim Baden hinterher nicht so sauber fühlt wie beim Duschen ist allerdings kein Argument, das Baden sein zu lassen. Man kann ja schließlich im Anschluss noch Duschen. Aber selbst die Kritiker müssen doch zugeben: Nach einer entspannten halben Stunde im Bad fühlt man sich seelisch und körperlich gleich viel besser. Man muss halt auch nicht immer nur das Äußere, sondern auch das Innere pflegen.
Duschen kann allerdings auch sehr toll sein. Manchmal kommt es vor, dass ich morgens erst später zur Arbeit muss, beispielsweise um 11 Uhr, und da nutze ich gern mal die Gelegenheit zum langen und ausgiebigen Duschen. Wenn ein Mann normalerweise nur zehn Minuten im Bad braucht, verbringe ich an solchen Tagen manchmal locker eine halbe Stunde darin, stehe einfach nur in der Dusche und genieße das heiße Wasser. Wenn ich noch ein bisschen verschlafen bin, gibt es die amüsanten Versuche, das Wasser erst heiß und dann kalt zu machen. Das kann zwar funktionieren und sehr gut wach machen und gut für die Durchblutung und die Haut sein, andererseits kann es auch sehr gut sein, dass der Boiler irgendwann nicht mehr mitspielen will und dann auf einmal nur noch kaltes Wasser kommt. Na gut, das ist nun mal die Geißel von so alten Gas-Thermen.
Als ich mal in Spanien gedreht hab, haben wir in einem echt komfortablen Vier-Sterne-Hotel genächtigt, und da hatten wir sogar einen Pool mit Wellnessbereich drin. Also sind mein Kameramann und ich eines Nachmittags, als wir früher Schluss gemacht haben, frohen Mutes in diesen Wellnessbereich gegangen.
Kurz gesagt: Es war fantastisch. Das klingt vielleicht schwul, aber es war wirklich ein Erlebnis. Der Pool war schon toll mit all den Wasserspielen und Blubberbecken und so, die Saunen nebenan waren auch genial, besonders die finnische Sauna mit Tannenzapfenaroma, aber am besten waren mit Abstand die sage und schreibe 27 Erlebnisduschen. Ja, sie hießen wirklich so.
Die la ducha vivencia oder so, das waren 27 Duschen mit unterschiedlichen Heiß-Kalt-Programmen. In eine stellte ich mich rein, drückte auf den Startknopf, und es nieselte nur leicht von oben aus dem Amazonas-Brausekopf heraus. Ich dachte zuerst, das Ding wäre defekt, aber auf einmal fing es auch von den Seiten an zu nieseln. Ich wurde also quasi auf Sparflamme bewässert. Nach zwei Minuten wurde das Wasser dann plötzlich bitterkalt und fünf Sekunden später wieder kochend heiß. So ging das hin und her. Nach fünf Minuten war das Programm dann auch schon fertig, und ich wusste nicht, ob ich lachen sollte oder nicht, weil es sich einfach nur so gut anfühlte.
Die nächste Dusche war dann auch sehr faszinierend, weil es von links kalt und von rechts heiß kam. Lustig, wie sehr man seine Sinne verarschen kann, wenn man zuerst eiskalt geduscht wird und dann in heißes Wasser springt, dann fühlt es sich noch ein paar Sekunden genauso kalt wie die Dusche vorher an. Bei dem Dusch-Hindernis-Parcours musste ich auch sehr lachen, da ging es nämlich darum, einen Gang von etwa zehn Metern hinter sich zu bringen, ohne von den spontan auftretenden Wasserfontänen aus den Seitenwänden erwischt zu werden. Ich hab es nicht geschafft, aber der Geräuschkulisse nach zu urteilen, auch kein anderer.
Jedenfalls waren wir ungefähr 45 Minuten in diesem Wellnessbereich (die sich anfühlten wie mindestens drei Stunden), und als wir dann zum Essen kamen, fühlten wir uns wie neugeboren. Und ich bedauere jeden, der so ein Vergnügen noch nicht hatte.
Wenn man sich also ein bisschen entspannen will, ist doch ein gutes altes Bad genau das Richtige. Wenn man allerdings schon beruhigt genug ist und lieber ein bisschen Auftrieb braucht, sollte man duschen. Vorzugsweise natürlich in einem Vier-Sterne-Hotel. Aber warum manche Menschen nur das Eine mögen, kann ich irgendwie nicht nachvollziehen. Ihr etwa?
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Categories: 100 Wahrheiten, Lesestoff
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