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Archiv für März, 2009

100 Wahrheiten, Folge 22: Demonstrationen

30. März 2009 1 Kommentar

“Jump, you fuckers!”


Ein sehr heikles Thema sind selbsternannte Weltverbesserer. Vorweg will ich mal sagen, dass sich keiner von diesem Eintrag persönlich angegriffen fühlen soll, hier sage ich – wie es eigentlich auch Sinn und Zweck ist – nur meine Meinung zum Thema, und wem diese nicht passt, der sollte sich wieder in seinem Kämmerlein verstecken.
Am Samstag war in Frankfurt ja diese tolle Demonstration gegen Kapitalismus, beziehungsweise war es auch eine Demonstration gegen Kapitalismus, unter jeder Menge anderer Demos. Hier versammelten sich Linke, Grüne, Braune, Schwarze, Rote und Gelbe, und es schien, als sei jeder gegen alles. Gegen Kapitalismus, gegen die NATO, gegen Merkel und gegen Hinz und Kunz. Zum Glück waren die meisten friedlich.

“Wer nicht springt, ist Kapitalist!”


Absolut genial waren die ganzen Sprüche, die auf Flaggen, Fahnen und Bannern prangten. Ein Pappschild mit dem Spruch “Jump, you fuckers!” brachte mich genauso zum Lachen wie das vom Megaphon unterstützte Massenhüpfen: “Wer nicht springt, ist Kapitalist!” und schon sprangen alle Helden in die Lüfte.
Das eigentliche Motto der Demo war ja “Wir zahlen nicht für eure Krise!“, und dieses rhetorische Meisterwerk stolzierte auf meterbreiten Plakaten vor der Menge her, die sich bei strömendem Regen an die Bockenheimer Warte stellte und flotte Sprüche blökte.

“Totaler Schwachsinn!”


Da wir natürlich für das Fernsehen anwesend waren – freiwillig würde ich mir so einen Mist gar nicht antun – befragten wir auch vorbeigehende Passanten, was sie von der Demonstration oder von solchen Protesten allgemein halten. Einige fanden es ziemlich gut, dass man sich stark macht für etwas, woran man glaubt, aber ein einzelner Herr gab den meiner Meinung nach allerbesten O-Ton überhaupt:
Totaler Schwachsinn. Absolut idiotisch. Die Krise lässt sich nur durch Anpacken beheben, nicht durch Demonstrieren.

Und ich muss sagen, ich stehe sehr hinter dieser Aussage. Warum? Ganz einfach, wenn man sich diese Leute einmal anschaut. Das sind größtenteils so richtig typische Klischee-Demonstranten, lange Rastalocken, abgerockte und zerfetzte Klamotten, ein durchdringend stechender Körpergeruch, und das ganze Blech in der Visage ist mehr wert als sie in einem Monat verdienen könnten. Und die fragen sich dann auch noch, wieso sie keinen Job haben. Also bitte, wie würde eine Bank aussehen, wenn die Kundenberater so aussehen und den Kunden mit Kornfeld-Handschlag begrüßen würden? Wenn man aus sich selbst schon nichts machen kann, wie will man dann aus einem Land etwas machen? Prioritäten, na klar, deswegen stehen sie auch Wochenende für Wochenende in einer anderen Stadt und halten Plakate in die Luft und folgen einem Zwerg mit Megaphon, als wäre er Gott.
Bestätigt wurde dieser Gedanke durch einen anderen O-Ton, diesmal von einer Mitstreiterin, die wirklich an vorderster Front stolzierte und sich wohl auch für eine Weltverbesserin hielt. Wir fragten sie, was denn so ihre Meinung zu dem ganzen Finanz-Spektakel sei und was sie denn für Forderungen stellen würde. Ihre Antwort lautete ungefähr:
Ja, ähhh, wir sind gegen Kapitalismus und für, ähh, mehr Gerechtigkeit. Äh, wir wollen, öhm… Also mehr Gerechtig- ähh -keit und, öhh, ja Kapitalisten sollen sich selbst mal, öhm, weil das ist ja total, ähhh, naja eben ungerecht, nä? Ach, wissen Sie, das ist echt schwer zu formulieren.

Prost Mahlzeit. Meine Antwort darauf war: “Natürlich ist es schwer zu formulieren, wenn Sie nicht mal genau wissen, was Sie eigentlich wollen.” Leider hörte sie das nicht mehr.
Aber das ist genau die Klientel, die ich nicht leiden kann. Immer Terror schieben, immer Stress machen, immer die Politiker beschuldigen wo es nur geht, auf jede Demo gehen und laut werden – aber was machen die Leute denn, was wirklich hilft? Nichts. Nachdem die Demo aufgelöst wurde, setzen sie sich mit einem lauten Ächzen in den Fernsehsessel, fühlen sich als hätten sie echt was bewegt und futtern fröhlich Chips in sich hinein. Hauptsache mal so getan, als hätte man was für sein Land bewirkt. Na danke. Diese Verlogenheit finde ich ziemlich dreist.

Krise?


Natürlich haben sie auch irgendwo Recht, wenn sich nichts bewegt, dann geht ja auch nichts vorwärts. Warum man aber die Vorwärtsbewegung vortäuschen muss, kann und will ich nicht verstehen. Da mach ich mir lieber Gedanken über das Abendessen, da bewege ich wenigstens wirklich was.

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100 Wahrheiten, Folge 21: Kinder

30. März 2009 4 Kommentare

Was ihr wollt


Auf vielfachen Wunsch meiner werten Leserschaft hin werde ich mich diesmal, zwar ein wenig verspätet, aber trotzdem lesenswert, dem Thema Kinder widmen. Auch dieses Mal wieder, ohne wirklich genau zu wissen, worauf ich hinauswill, aber das macht wohl einen guten Blog aus.

Balg oder Engel?


Es gibt verschiedene Sorten von Kindern, es gibt Bälger und Engel, Rotznasen und goldige Gesichter, Schreihälse und Brabbelkinder. Das tolle an Kindern ist, dass sie absolut wandlungsfähig sind, innerhalb von ein paar Sekunden können sie von einem sabbernden, triefäugigen, verheulten Trauerkloß zu einem fröhlich lachenden und singenden Hüpfer werden. Wenn einem die momentane Stimmung eines Kindes nicht gefällt, muss man einfach nur eine Minute warten. Bei Frauen hält sich eine schlechte Stimmung leider sehr viel länger. Kleiner Seitenhieb auf die geliebte Damenwelt, verzeiht mir bitte, ich kann manchmal einfach nicht anders.

Gaga gugu?


Was ich allerdings nicht verstehen kann, ist, wenn Eltern ihrem Kind das Sprechen offenbar nicht wirklich beibringen wollen, sondern nur so ein dummes Gefasel, was man allerhöchstens Hunden entgegenbringen sollte. Hallo? Das sind Kinder, die werden mal erwachsen, denen sollte man schon ein ordentliches Sprechen beibringen, und da hilft ein “Haddu Aua demacht?” nicht wirklich weiter.
Wenn ich mit kleinen Kindern zu tun hab, dann rede ich ganz normal mit ihnen, so wie ich es mit normalen Menschen auch tun würde. Wenn sie es nicht verstehen, liegt es ja nicht an der Wortwahl, sondern eher daran, dass sie einfach den Umstand nicht verstehen. Ob ich ihnen jetzt sage, dass das ein Aua oder ein aufgeschürftes Knie ist, interessiert sie nicht sonderlich, sie werden beides lernen. Alles zu seiner Zeit natürlich, aber je früher desto besser, immerhin ist es in der heutigen Zeit so wichtig wie nie zuvor, sich sprachlich richtig ausdrücken zu können, sonst landen die werten Sprösslinge irgendwann noch bei McDonald’s hinter der Theke, und welche Eltern wollen ihrem Kind schon so etwas antun?

Großziehen oder selbst wachsen lassen?


Wenn ich mir so manche Eltern und deren Kinder anschaue, bin ich verwundert, wie sehr das Kind rein körperlich gefördert wird. Fruchtzwerge helfen beim Wachstum? Na dann Prost Mahlzeit und immer kräftig rein mit den Dingern, der Bub soll schließlich mal Basketballspieler werden. Karotten sind gut für die Augen? Na dann Hopp und fünf mal den Teller aufgefüllt, schließlich soll die kleine Lisbeth mal Astronomin werden. Fisch ist gut für das Gehirn? Sofort umziehen an den See und drei Angelruten kaufen, damit es jeden Abend Fisch gibt, schließlich soll der winzige Jörg-Heinrich mal bei Wer wird Millionär gewinnen und damit das Familienhaus am See finanzieren.
Wäre es nicht viel angenehmer für das Kind, wenn eine ausgewogene Ernährung und Aufzieh-Methode verwendet werden würde? Ich glaube, so manches Kind wünscht sich das, auch wenn es das noch nicht in Worten ausdrücken kann.

“Ihr Idioten!”


Was mich direkt zu meinem nächsten Punkt bringt: Ich bin der Meinung, Babies und Kinder verstehen bereits alles, was man ihnen sagt – sie haben nur keinen Bock, darauf zu antworten.
So, nachdem ihr fertig seid mit Lachen, überlegt doch mal. Kinder schauen einen doch immer so wissend an, als ob sie sagen wollten: “Du bist so blöd, die Knete schmeckt gut, also esse ich sie auch!
Wenn man einem Kind etwas klarzumachen versucht und es lange genug anschaut, dann fängt es meistens an zu lachen. Die unbescholtenen Eltern denken, das wäre einfach nur normale Freude, aber ich bin überzeugt, dass das Kind einen auslacht.
Denkt mal darüber nach und schaut beim nächsten Babysitten mal genauer hin, ihr werdet feststellen, dass das Kind eigentlich viel klüger ist als ihr bisher dachtet.

Magnetische Wirkung


Zu guter Letzt sind Kinder ein klasse Mittel, um Frauen zu begeistern. Merke: Frauen, nicht Mädels. Jede Frau liebt Kinder, auch wenn sie es nicht zu laut rausposaunen will, weil es sie nur traurig machen würde, dass sie noch keins hat. Und wenn Mann mit Kind unterwegs ist, ist das ein besserer Frauenmagnet als ein süßer Hund.
Sobald Frauen ein Kind entdecken, machen sie die lustigsten Grimassen, fragen “Na du Süßer, wie heißt du denn?” und kriegen sich vor Glück kaum noch ein. Eigentlich ein sehr faszinierendes Phänomen, wenn man mal bedenkt, dass auch Kinder eigentlich nur Menschen sind. Frauen behaupten übrigens auch sehr gerne, dass alle Kinder bildhübsch sind, aber auch da bin ich anderer Meinung. Ich denke, die Frauen kriegen das nur von den Ärzten so eingetrichtert, weil die ihrem Beruf nachgehen müssen und bei jeder Geburt davon schwärmen, dass dieses Baby das hübscheste und schönste und sonstwas wäre. Tatsächlich ist es aber so, dass viele Babies und Kinder echt atemberaubend hässlich aussehen. Gut, vielleicht nicht unbedingt hässlich, aber viele sehen einem Ferkel doch ähnlicher als einem Menschen.
Während ich diese Zeilen schreibe, wird das Klischee auch schon wieder bestätigt, ich zeige einem weiblichen Wesen Bilder eines Kleinkindes, das aussieht als wäre es die Brut zwei großer alter Handtaschen, und der einzige Kommentar ist ein verzücktes “Ooooaaahh!“. Manche Dinge ändern sich wohl nie.

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Sum 41 – Chuck

27. März 2009 Keine Kommentare

Glücklich machender Punk


Es gibt Tage, an denen ist mir nicht nach langsamer, dunkler oder depressiver Musik, sondern eher nach aufwühlenden, schnellen und fröhlichen Klängen. Und ich kenne keine bessere Band als Sum 41, um mich ein bisschen aufzuheitern. Und ganz besonders mag ich deren Album Chuck, und das obwohl ich Chucks hasse.

Sum 41 - Chuck


Die durchaus hässlichen Kerle haben mit all ihren Alben eigentlich schon recht viel Erfolg gehabt, eigentlich kennt man sie sogar aus dem Radio. Trotzdem will ich noch mal dazu verleiten, der Musikrichtung Punk nicht ganz abzuschwören, was ja viele gern nach ein paar Kostproben machen. Die meisten sind einfach viel zu sehr von den Ärzten geschädigt. Aber keine Sorge, das lässt sich beheben!

Tracklisting


Mit deutschem Punk hat das hier nämlich relativ wenig zu tun. Hier gibt es gute Texte, melodische Akkorde, schnelles Geschrabbel und kerniges Gebrüll im Komplettpaket, wovon die meisten sonstigen Punk-Musiker nur träumen können.

  1. Intro

  2. No Reason

  3. We’re All To Blame

  4. Angels With Dirty Faces

  5. Some Say

  6. The Bitter End

  7. Open Your Eyes

  8. Slipping Away

  9. I’m Not The One

  10. Welcome To Hell

  11. Pieces

  12. There’s No Solution

  13. 88

  14. Noots (Bonus Track)

  15. Moron (Bonus Track)

  16. Subject To Change (Bonus Track)


Mein Tipp!


Tja, das ist jetzt schwer. Eigentlich mag ich das ganze Album sehr, aber gut, ein bisschen eingrenzen kann ich mich sicher. Besonders gut finde ich No Reason, We’re All To Blame und Pieces, deswegen daraus mal ein paar kurze Zeilen.
Tell me why can’t you see it’s not the way
When we all fall down, it will be too late
Why is there no reason we can’t change
When we all fall down, who will take the blame
What will it take?

And now we’re all to blame
We’ve gone too far
From pride to shame
We’re hopelessly blissful and blind
When all we need
Is something true
To believe
Don’t we all
Everyone
Everyone
We will fall
‘Cause we’re all to blame

I tried to be perfect
But nothing was worth it
I don’t believe it makes me real
I thought it’d be easy
But no one believes me
I meant all the things I said

Und, welcher Songtext spricht euch am meisten an? Probiert es aus, und wenn ihr das Album wirklich mögt, gibt es davon auch noch eine Live-Variante namens Go Chuck Yourself.

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100 Wahrheiten, Folge 20: Fotografie

23. März 2009 Keine Kommentare

Ich kann fotografieren!


Da mein letzter Eintrag und vor allem der Schreibstil mit soviel Andrang positiv bewertet wurde, werde ich mich mal bemühen, das in den nächsten Wochen beizubehalten. Also schreibe ich jetzt einfach mal drauflos, ohne genau zu wissen, wohin ich mit dem Thema eigentlich will. Hauptsache, der Titel steht: Fotografie.

Ich persönlich finde, dass der Satz “Ich kann fotografieren” absolut brutal missbraucht wird. Wenn man eine Kamera in eine grobe Richtung halten und dabei noch den Auslöser betätigen kann, kann man noch lange nicht fotografieren. Wie oft kamen mir Leute unter, die behaupteten, fotografieren zu können – und alles was man davon sah, waren so billige Party-Schnappschüsse! In solchen Situationen greife ich mir gern an den Kopf um meinen Unmut auszudrücken. Kinder, das sind keine Fotos, das sind stinknormale Bilder. Fotos haben etwas mit Kunst zu tun, sind mehr oder weniger aufwändig inszenierte und vor allem geplante Situationen, die man im passenden Moment festhalten will.
Party-Schnappschüsse haben damit nichts, aber auch gar nichts zu tun. Jeder Vollidiot kann die Automatikfunktion anschalten und einfach draufhalten, das macht einen aber nicht im Geringsten zu einem Fotografen. Nicht mal zu einem Hobby-Fotografen. Und jeder, der euch da Honig ums Maul schmieren will, versucht euch entweder ins Bett zu kriegen oder zu verarschen. Vielleicht auch beides.

Der Megapixel-Kampf


Der unbedarfte und laienhafte Käufer marschiert beim Kamerakauf in den Media Markt, sucht nach der höchsten Megapixel-Angabe und wählt danach seine Wunschkamera aus. Was für einen fatalen Fehler er damit begeht, will ich mal kurz erklären.
Merke: Die Megapixel-Zahl sagt nichts über die Qualität der Fotos aus!
Alles, was die Megapixel-Zahl aussagt, ist die Größe der Bilder. Gut, damit kann man vielleicht protzen, aber es bringt einem ja nichts. Ich kann ein Foto in einer Auflösung von 400×300 Pixeln schießen und das dann auf 4000×3000 Pixel vergrößern, dann hab ich die höchste Megapixel-Zahl, aber die Qualität ist entsprechend schlecht, weil das Bild ja nur vergrößert wurde und somit alle Kanten verwaschen und Artefakte entstehen.
Ganz schlimm ist das bei Handy-Kameras. Die brüsten sich da mit 5 Megapixeln und mehr, obwohl der Chip, der das einfallende Licht in Informationen umwandelt, gar nicht so groß ist, um diese 5 Megapixel zu füllen. Was passiert also? In der Kamera wird interpoliert, Bildinhalte werden künstlich dazugerechnet. Das kann sehr böse ins Auge gehen, besonders bei kontrastreichen Bildern.
Ich habe mir für unterwegs eine kleine Digicam gekauft, und zwar eine Casio Exilim EX-Z1050 mit satten zehn Megapixeln. Aber die Megapixel waren nicht mal ansatzweise ein Kaufargument. Ich habe nämlich nur nach der Chipgröße bewertet. Je größer der Chip, desto lichtstärker ist die Kamera, desto größer ist die Tiefenunschärfe, desto höher ist die Qualität der Bilder. Und die Z1050 hat in ihrer Klasse den größten Chip, nämlich 1/1.75″, das ist mehr als ein halbes Zoll und für so eine kleine Kamera ziemlich ordentlich. Und das ist auch das einzige, worauf es wirklich ankommt, wenn es um Qualität geht.

Blitz? Nein danke.


Die meisten Käufer achten auch sehr auf einen eingebauten Blitz. Wofür? Wenn es so dunkel ist, dass man unbedingt einen Blitz braucht, kommen eh keine gescheiten Bilder mehr zustande, weil das Kontrastverhältnis von Vorder- zu Hintergrund viel zu hoch ist, entweder der Vordergrund ist viel zu hell (brennt aus) oder der Hintergrund ist viel zu dunkel (säuft ab). Zudem reichen die meisten eingebauten Blitze kaum weiter als zwei Meter, danach kommt kaum noch Licht an. Und wenn doch, dann rechnet die Kamera die Verzögerungszeit der Strecke, die das Licht zurücklegen muss, selten mit ein, und so kommt es dann auch zu unterbelichteten Fotos.
Ganz abgesehen davon, dass die Technik der eingebauten Blitze sowieso für die Tonne ist, sollte man sich mal bewusst machen, wie ein Motiv aussieht, wenn es ganz simpel von direkt vorne, also bei 0° Winkel, angeblitzt wird. Es sieht nämlich platt aus. Ganz einfallslos, flach und langweilig. Wer sich mal ein bisschen mit Licht beschäftigt, wird feststellen, dass ein Motiv immer besser aussehen wird, wenn das Licht in einem Winkel von 15-30° von der Kamera kommt. Professionelle Fotografen haben deswegen niemals einen Blitz direkt auf der Kamera, sondern immer knapp daneben stehen, meistens auf einem Stativ mit Fernbedienung und allem Schnickschnack. Pressefotografen hingegen haben oftmals den Blitz direkt auf der Kamera, aber das auch nur aus Zeitgründen. Die umgehen das Problem der platten Bilder auf andere Weise: Sie blitzen indirekt, nämlich nicht direkt auf das Motiv, sondern hoch gegen die Decke oder gegen eine Wand. So wird das Licht reflektiert und wirkt weniger steril.
Auf Leute, die mit Blitz gegen einen Spiegel fotografieren, gehe ich hier jetzt gar nicht ein, solche Leute sind nämlich garantiert auch zu dämlich, diesen Blogeintrag überhaupt zu lesen. Selbst schuld.

“Stell dich mal dahin!”


Die Aussagekraft eines jeden Bildes steigt und fällt mit der Position und Positionierung des Motivs im Bildausschnitt. Die meisten Digicams haben den Fokus-Sensor in der Mitte des Monitors angebracht, und die meisten fallen darauf rein und setzen beispielsweise das Gesicht des Models exakt in die Mitte des Bildes. Ätsch, reingefallen.
Wenn das Gesicht in der Mitte ist, was ist dann darüber? Meistens nur leerer Raum, der Himmel oder eine weiße Wand. Das ist der sogenannte headroom, und mit dem kann kaum ein Laie umgehen, aber jeder sieht den Unterschied, wenn es richtig gemacht wird. Der richtige headroom sorgt nämlich für eine harmonische Aufteilung des Bildes in der Höhe, es sieht natürlicher und dadurch schöner aus.
In der Breite gibt es ein Äquivalent dazu, und dieses wird durch den sogenannten Goldenen Schnitt erreicht. Wen die fachliche Erklärung interessiert, der kann Google danach fragen, ich werde hier einfach nur darauf hinweisen, dass es enorm wichtig ist, Objekte weder direkt in der Mitte noch zu weit am Rand des Bilds zu platzieren. In der Mitte wirken Motive meist einsam und verloren, am Rand wirken sie zu unwichtig oder sogar unerwünscht. Wenn man schon den richtigen vertikalen Bildausschnitt wählen kann, sollte man das gleiche auch horizontal tun, denn nur so wird ein optimaler Bildausschnitt erreicht. Hierbei spricht man von der Kadrierung. Wer die beherrscht, kann sich schon um einiges glücklicher schätzen als die oben genannten Vollidioten, die einfach nur draufhalten.

Weiß ist nicht gleich Weiß


Das menschliche Auge erkennt weiß. Egal wie, egal wo, egal wann, das menschliche Auge kann sich auf weiße Farbe einstellen, und unser Gehirn verarbeitet diesen Farbwechsel so schnell, dass es schon gar nicht mehr auffällt. Am ehesten kann man das nachprüfen, wenn man in der Sonne steht und für zwei Minuten die Augen schließt. Wenn man sie dann wieder öffnet und jemanden anschaut, wird dieser jemand reichlich merkwürdig aussehen, meistens sehr grünlich oder bläulich. Aber auch da ist unser Gehirn wieder sehr anpassungsfähig und sorgt unmerklich für richtige Farben.
Die Kameratechnik ist noch nicht ganz so weit. In jeder besseren Kamera von heute gibt es eine Funktion zum Wechsel des sogenannten Weißabgleichs, der der Kamera sagt, welches Weiß wirklich weiß ist. Wer die Leuchtstoffröhren kennt und schon mal welche gekauft hat, kennt das vielleicht: Die Dinger gibt es mit verschiedenen Farbtemperaturen. Eine handelsübliche, billige Leuchtstoffröhre hat eine sehr dämliche Farbtemperatur von etwa 3800° Kelvin, es gibt aber Varianten von 2600-6500° Kelvin. Je tiefer dieser Wert, desto gelblicher und wärmer wirkt das Licht. Je höher dieser Wert, desto bläulicher und kühler wirkt das Licht. Ein sonniger Himmel hat zwischen 6500° und 8000° Kelvin, eine normale Glühbirne hingegen um die 3200° Kelvin. Wer sowas nicht wirklich versteht, kann ja mal bei Sonnenschein ein Foto mit dem Weißabgleich “Glühlampe” oder auch “Kunstlicht” schießen. Viel Spaß, es wird mächtig blau werden.
Ein guter Fotograf achtet darauf, was für Lichtquellen sich am Ort des Fotos befinden und stellt die Kamera entsprechend darauf ein. Gute Kameras können einen manuellen Weißabgleich machen, den man dann ziemlich genau auf die gewünschte Farbtemperatur einstellen kann.
Und an dieser Stelle noch ein Tipp für Leute, die meine Abneigung gegen Blitze nicht verstehen und trotzdem weiter blitzen wollen: Eingebaute Blitze haben immer eine genormte Farbtemperatur von 5600° Kelvin, “Tageslicht“. Wenn ihr am Weißabgleich rumspielen wollt, lasst den Blitz lieber aus, sonst werden die Farben totaler Murks. Wenn ihr allerdings lieber normale Blitzfotos schießt, versucht doch mal, ein kleines Stück 1/4 CTO-Folie vor den Blitz zu kleben. Diese CTO-Folie (“Convert to orange“) verändert die Farbtemperatur des Blitzes und sorgt für wärmere Farben. Und wenn ihr schon dabei seid, klemmt eine einzelne Lage eines Taschentuchs davor, damit das Licht mehr gestreut und somit weicher wird, das gibt keine so harten Kanten und lässt das Bild allgemein harmonischer aussehen.

Uff!


So, das wär’s für den Anfang, mehr fällt mir jetzt nicht aus dem Ärmel, aber ich denke, da habt ihr mal wieder ein bisschen was zum Lesen und vielleicht ja sogar zum Ausprobieren. Beispielbilder sind natürlich gern gesehen.

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