100 Wahrheiten, Folge 57: Flirtlife
10. Februar 2012
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Das sinkende Schiff
Es ist nun schon so ewig lange her… Ende 2005 war es, als ich bei meinem Kumpel Kim zu Besuch war und der mir von einer Seite erzählte, auf der man “geile Ischen aufreißen” konnte. Auf seinem Monitor knallte mir das bonbonprächtige Orange ins Auge, durchzogen von vielen winzigkleinen Bildchen von Mädels, die allesamt so aussahen, als hätten sie Lust auf einen. Kostenlose Anmeldung, cool, das kann ja nichts schaden. Ruckzuck war ich auch dabei, ein Teil der Flirtlife-Community. Das besondere daran war, dass fast alle Nutzer aus dem Rhein-Main-Gebiet kamen, das gab es sonst nirgendwo. Bei den großen Partnerbörsen hatte ich mal vergleichsweise nach Frauen aus dem Postleitzahl-Bereich 6xxxx gesucht und maximal zehn Treffer bekommen, von denen acht hässlich und zwei über 40 Jahre alt waren. Insofern war Flirtlife für einen Jungspund wie mich natürlich eine Goldgrube.
Dass die kostenlose Anmeldung auch wirklich nur die Anmeldung beinhaltet, wurde mir dann klar, als ich so nach und nach anfing, die Mädels, die mir gefielen, anzuschreiben. 30 Mails konnte ich versenden, dann war Schicht im Schacht und ich musste einen Monat warten. Ganz schöner Käse, aber gut, für ein paar mickrige Euro konnte man sich Freimails kaufen. Was kostet die Welt? Eben, also schnell eine SMS geschickt und weitergetippselt.
Irgendwann bemerkte ich dann auch das Forum, das damals noch richtig schön belebt war. Tausende User tummelten sich in den verschiedenen Forenbereichen rum, stritten, zofften und beleidigten hin und her, ab und zu griff mal ein Moderator moderat ein und dann war für kurze Zeit Ruhe. Ich kann mit Überzeugung sagen, dass es damals wirklich Spaß gemacht hat, bei Flirtlife zu sein.
Mein Leben als User
Nach und nach gewann ich an Popularität, aber warum das so war, kann ich heute immer noch nicht sagen. Ich war einfach ich selbst, frech und vorlaut, auf alle möglichen Schlipse tretend und eine massive Portion schwarzen Humors. Ich bin nicht so vermessen zu sagen, dass ich Online-Freunde hatte, aber ich verstand mich doch mit einem gewissen Haufen anderer User ziemlich gut, und gemeinsam bildeten wir eine kleine Gruppe, die so ziemlich überall vertreten war. Wenn es ein hübsches Mädel gab, schrieben wir sie alle gleichzeitig mit exakt demselben Spruch an und prüften, wer auf Grund seines Profilbilds die positivste Antwort bekam (und ich war meistens hintenan). Wenn es im Forum heiß herging, plätteten wir gemeinsam die Stänkerer und Hetzer, bis wieder ein ordentlicher Umgangston herrschte. Hier bin ich mal so vermessen, zu behaupten, dass wir Flirtlife ein kleines bisschen kontrollierten.
Nach einer Weile kam in dieser kleinen Gruppe das Thema der Moderatoren auf. Es gab damals noch eine Handvoll MODs und den Administrator. Mit letzterem konnte man immer super reden, er war in beliebten Forenthreads ebenfalls vor Ort und diskutierte fröhlich mit. Mit gewissen MODs konnte man das auch, und mir machte es immer besonders viel Spaß, die lockeren MODs selbst zum Spam zu verleiten. Und wenn dann irgendwann der drohende Zeigefinger gehoben wurde, zeigte ich lachend auf den MOD selbst, der ja genauso viel Dreck am Stecken hatte wie ich. Es war eine lustige Zeit (verhältnismäßig natürlich).
Mein Leben unter Idioten
Wie überall gab es aber auch hier eine Ausnahme. Ein einziger MOD schien nicht daran interessiert zu sein, für die User da zu sein, sondern machte immer seine eigenen Späße, über die man höchstens lachen konnte, wenn man selbst nicht betroffen war, und selbst dann nur ein bisschen. Damals hatte er noch eine Signatur mit dem Interceptor aus Mad Max und hörte auf den gewichtigen Namen MOD1. Wo er auftrat, war sofort der letzte Käse gegessen und wo er Sperren verteilte, da wuchs eine Weile kein Gras mehr. Den positiven Eindruck, den man vom Team dank Administrator und der anderen MODs bekommen hatte, machte er sehr schnell wieder kaputt. In unserer Gruppe wurde angefangen zu rätseln, wer sich denn hinter den diversen Accounts verbergen mochte. Es wurden viele Vermutungen angestellt, und einige lagen damals schon richtig, andere liegen bis heute falsch, aber als MOD1 auf einem seiner nächtlichen Streifzüge versehentlich einen Beitrag mit einigen Absätzen und einem Punkt beendete, waren viele in ihrer Annahme bestärkt. MOD1 war der User, der auch mit seinem normalen Account nur Streit zu suchen schien und mit seinem etwas eigenwilligen Humor noch öfter aneckte als ich. Dass er unter den ersten 150 angemeldeten Usern war (zumindest der User-ID nach zu urteilen) und buchstäblich nicht eine Stunde lang ohne Premium-Mitgliedschaft gesichtet wurde, bestärkte den Verdacht natürlich noch ein bisschen. Ich begann, die Beiträge von MOD1 und Crisca zu vergleichen, und tatsächlich beging er nochmal den Fehler, eine leicht unnormale Ausdrucksweise sowohl als User als auch als MOD zu verwenden.
Nun, Crisca hatte eine andere Signatur als MOD1, und zwar mit seiner spanischen Homepage. Etwa vier Sekunden später wusste unsere kleine Gruppe, dass Crisca im wahren Leben Hans-Peter heißt, und urplötzlich wurde uns allen klar, woher dieser offensichtliche Selbsthass kommen muss. Es gab diverse Geschichten darüber, warum ein ganz bestimmter User sich mit Sack und Pack nach Südspanien abgesetzt hatte, und ich hab mich bis heute nicht darum gekümmert, die korrekte Version rauszusuchen. Angeblich wurde er damals von einer Frau betrogen und flüchtete quasi aus dem Land, konnte aber das gemeinsame Projekt Flirtlife nicht in Ruhe lassen, also musste er sich mit gleich zwei Accounts an den Usern rächen. Wenn das so nicht stimmt (und davon gehe ich aus), dann korrigiert mich bitte. Ganz besonders du, Hansi. Es interessiert mich zwar nicht allzusehr, aber die wahre Geschichte darf durchaus ans Tageslicht kommen.
Gut, dann gab es eben ein paar Idioten bei Flirtlife, die hatte es schon immer gegeben und würde es auch immer geben. Dass einer von ihnen eine hohe Position innehatte, machte die Sache natürlich nicht angenehmer, aber wenn man Hansi aus dem Weg ging und sich seinen tyrannischen Launen beugte, konnte man relativ frei und ungehindert handeln. Flirtlife machte immer noch Spaß.
Mittlerweile war ich schon lang genug bei Flirtlife aktiv, um das ziemlich simple Regelwerk auswendig zu kennen, und da ich oftmals sehr schnell im Forum unterwegs war (ich weiß immer noch nicht, wieso manche zu doof sind, einfach die Accesskeys zu nutzen…), war ich auch oft der erste, der Hilfestellung bei Problemen leisten konnte. Ob jetzt jemand wissen wollte, warum sein Bild gelöscht wurde oder wie er sein Profil am passendsten ausfüllen sollte, ich wusste beinahe alles. Wenn ich es nicht wusste, dann schlug ich etwas vor, und auch das führte meistens zum gewünschten Ergebnis. Nach und nach wurde sogar im Forum geschrieben, dass Leute mit Problemen einfach mich anschreiben sollten, ich könne ihnen dann schon helfen.
Wenn es eine ruhige Phase war, wenn das Forum wie ausgestorben und mein Postfach noch ausgestorbener war, dann klickte ich mich ein bisschen durch die verschiedenen Userprofile. Und wenn ich eben sagte, dass ich das Regelwerk auswendig kannte, dann gilt das auch für die Regeln für hochgeladene Bilder. Hier schien jemand echt keine Lust auf seine Arbeit zu haben, denn in acht von zehn Profilen thronten Bilder, die in mindestens einem Fall gegen die Regeln verstießen. Mehrere Leute auf dem Hauptbild? Gemeldet. Mädels verdeckten ihr Gesicht fast komplett? Gemeldet. Lackaffen präsentierten Rosen und Waffen auf ihren Bildern? Gemeldet. Nackte Männer-Genitalien? Gemeldet. Nackte Weiber-Genitalien? Genau angeschaut und gemeldet. Bozkurt-Symbole, Hakenkreuze, Gewalt und Blut – alles gemeldet. Das führte so weit, dass mich irgendwann der Administrator höchstselbst anschrieb und mich fragte, ob ich nicht Lust hätte, offizieller Bilderchecker zu werden.
Mein Leben als Bilderchecker
An sich unterscheidet sich ein Bilderchecker nicht sonderlich vom normalen User, er hat nur eine kleine Extra-Leiste unter dem Profilbild angezeigt bekommen, mit der er das Bild löschen konnte. Ja, ich weiß, der Daniel hat’s gesehen. Jammert nicht rum. Jedenfalls tat ich das, was ein Bilderchecker am besten tut, und zwar mit großem Erfolg. Als ich anfing, war es eine fünfstellige Anzahl von Bildern und nach ein paar Stunden war die Hälfte davon gelöscht und der Rest vorbehaltlos freigegeben. Für meine Tätigkeiten wurde ich sehr großzügig entlohnt, und zwar in Form von Coins. Klar, ich hatte nicht erwartet, dass Flirtlife mir tatsächlich Geld überweist für so eine Arbeit. Aber die kostenlose Nutzung der Dienste war ja auch schonmal etwas.
Irgendwann wurde es mir zuviel, ich konnte die ganzen Hackfressen (Entschuldigung) nicht mehr sehen und ich stockte meine Checkerei ein bisschen zurück. Das reale Leben forderte mich zu dem Zeitpunkt natürlich auch, ich saß ja nicht den ganzen Tag nur vor dem Rechner, auch wenn es für die meisten so ausgesehen haben muss. Der Administrator bemerkte den Rückgang meiner Arbeit und fragte, ob ich denn weitere User wüsste, die so verantwortungsvoll seien und auch Bilderchecker werden wollen würden. Gesagt getan, schon waren wir wieder eine kleine Gruppe von Bildercheckern. Als irgendwann einer der anderen Idioten (nämlich Ugatz) zu dem Team stoßen sollte, vereinte sich das Grüppchen und legte die Arbeit nieder, bis der ungeliebte Depp wieder rausflog. Meine Güte, waren wir damals arrogant. Kaum zu glauben.
Die Verstärkung der Bilderchecker sorgte natürlich dafür, dass ich wieder ein bisschen verstärkt im Forum unterwegs war, und auch hier meldete ich, wo ich nur konnte. Thread im falschen Unterforum? Gemeldet. Beleidigung? Gemeldet. Handynummer angegeben? Gemeldet. Naja, und so weiter eben. Ich stellte mir vor, dass in der Auflistung der gemeldeten Beiträge fast ausschließlich mein Name zu sehen sein musste, und diesmal nicht deswegen, weil ich frech gewesen war. Auch das bemerkte natürlich der Administrator, und so bot er mir kurzerhand einen MOD-Posten an.
Mein Leben als MOD
Ursprünglich war ein Foren-Urgestein namens Pogo auch als MOD6 unterwegs, aber aus irgendwelchen Gründen war das nicht mehr der Fall, und so bekam ich ein neues Passwort für den Account. Der Administrator rief mich telefonisch an (damals war das noch so etwas wie eine kleine Ehre) und erklärte mir, wie das alles funktioniert, wie man Forenbeiträge meldet und sperrt, wie man Störenfriede verwarnt und verwirrten Usern hilft. Ich fragte ihn, ob ich meinem MOD6-Account einen gewissen Touch geben könne, und er meinte, das sei kein Problem. An dieser Stelle hielten die Ugly-Smileys Einzug im Forum, die ich auch nach wie vor noch für eine gute Idee halte. Ich wollte kein brutaler, tyrannischer und rachsüchtiger MOD sein, ich wollte vielmehr für die User da sein und mit ihnen Scherze machen können. Nun blieb es ja aber nicht aus, dass ich jetzt noch ein Stück näher am brutalen, tyrannischen und rachsüchtigen MOD1 war. Was konnte schon groß passieren? Vielleicht war Hansi ja gar nicht so übel, wenn man nicht mehr zum gemeinen Pöbel gehörte. Leider lag ich da falsch, denn direkt am ersten Tag erbat ich ein paar Tipps, was ich denn als MOD auf keinen Fall machen dürfte, und mit dem Wort “Atmen!” ließ mich Hansi gleich spüren, dass ich bei ihm ungefähr so willkommen war wie alle anderen von ihm gehassten User. Na prima, dachte ich mir, aber was soll schon passieren? Immerhin hat mich der oberste Chef zum MOD ernannt, da kann ja der Stellvertreter nicht einfach so einen Riegel vorschieben.
An dieser Stelle möchte ich betonen, dass ich wirklich kein guter MOD6 war. Ich bemühte mich zwar, fair und gerecht zu sein, aber ab und zu rutschte mir doch etwas ungerechtfertigtes heraus. Ganz besonders möchte ich mich bei Hoschi78 entschuldigen, dem ich drei Wochen Sperre aufgebrummt hatte. Ich wollte sie zwar am nächsten Tag auch wieder entfernen, damit es auf einen vertretbaren Tag Sperre hinausläuft, aber da hatte der Administrator schon interveniert und bat mich darum, sowas nur im allerhöchsten Notfall einzusetzen. Dass MOD1 weiterhin fröhlich seine mehrwöchigen Sperren verteilte, schien etwas völlig anderes zu sein, auch wenn ich mehrmals mitbekam, dass auch an seiner Arbeit eine Menge rumkritisiert wurde. Das störte ihn aber nicht im geringsten, und er benahm sich weiterhin wie der tyrannische, von Hass und Rache angetriebene Idiot.
Fairerweise will ich hier aber noch ein Beispiel erwähnen, bei dem ich mit MOD1 sogar einer Meinung war und über seine Sprüche lachen konnte. Wie gesagt, das geht bedingt, wenn man nicht selbst betroffen ist. In diesem Fall war ein weiterer Vollidiot namens Kalliey ziemlich versessen darauf, mir das Leben zur Hölle zu machen und wollte unbedingt meinen MOD-Status enttarnen – nur doof, dass er sich den falschen MOD ausgesucht hatte, nämlich Hansi. Er schrieb ihn also an und beschimpfte ihn aufs Übelste, aber alles mit meinem Namen. Hansi machte sich daraus einen großen Spaß und verbreitete Screenshots von der Konversation, und ich muss zugeben, das war wirklich amüsant.
Leider gab es aber sehr viel mehr Beispiele, in denen das unmögliche Verhalten von MOD1 zu Tage trat. Ob er sich nun als Crisca einen Streit mit einem anderen User leistete und ihn dann als MOD1 einfach sperrte, ob er bereits geschlossene Threads wieder öffnete um seine bösartigen Sprüche abzugeben und sie dann wieder zu schließen, oder ob er einfach mit jedem Buchstaben heraushängen ließ, dass er der unantastbare Tyrann von Flirtlife war – es war nur mit einem resignierenden Kopfschütteln zu beantworten. Das führte irgendwann so weit, dass ich keine Lust mehr hatte, auf derselben Stufe wie er zu stehen. Naja, eigentlich war es nicht dieselbe Stufe, aber ich wollte nicht Teil des MOD-Teams sein, wenn es nur auf Grund von MOD1 so derb beschimpft wurde. Also legte ich meine moderativen Tätigkeiten auch irgendwann wieder ab.
Mein Leben als User – mal wieder
MOD6 hatte ziemlich schnell ein neues Passwort, und ich bereute meinen Entschluss nicht. Es war eine interessante Zeit gewesen, aber unter diesen Bedingungen hatte ich keine Lust. Das ist, als wäre man Bombenentschärfer und der Chef würde die ganze Zeit hinter einem stehen und immer mal wieder ins Ohr brüllen und ab und zu eine Papiertüte aufblasen und zum Platzen bringen. Das berühmte Bild werde ich jetzt hier nicht einfügen, ihr kennt es bestimmt eh alle. Jedenfalls war es kein angenehmes Niveau, und ich wollte nicht mehr dazugehören. Da war ich lieber wieder normaler User, der zwar von all den kleinen Geheimnissen wusste (und sich so prima aus dem gröbsten Ärger raushalten konnte), aber nicht andauernd die MOD1-Hand im Nacken verspürte.
Eine Weile ging es so weiter wie ganz am Anfang, dann war irgendwann die Luft raus. Es meldeten sich kaum noch neue User an, Facebook wurde auf einmal viel interessanter und mit Einführung der Gruppenfunktion war das öffentliche Forum sowieso dem Tod geweiht. Ich hatte noch jede Menge Coins von meiner MOD-Zeit übrig und investierte sie teilweise in mich selbst, teilweise verschenkte ich sie einfach an andere User. Flirtlife hatte seine beste Zeit hinter sich gelassen, das merkten auch die obersten Bosse von der Campoint AG und schalteten die Ausgaben für eventuelle Veränderungen auf ein Minimum zurück. Flirtlife wurde auf das Abstellgleis gefahren und dem Rost überlassen. Als meine Coins dann endlich aufgebraucht waren, sah ich es irgendwie nicht mehr ein, Geld für den Laden zu bezahlen, in dem sowieso nichts mehr lief und auch nichts mehr zum Laufen gebracht werden würde. Ich verglich Flirtlife gern mit einem sinkenden Schiff, von dem die Matrosen im hohen Bogen über Bord springen, um nicht mit in die Tiefe gerissen zu werden. Und hoch erhobenen Hauptes sitzt der Kapitän an Deck und geht stolz mit seinem Schiff unter.
In meinem Postfach herrschte gähnende Leere, im Forum rollten die Wüstensträucher umher, was blieb mir dann noch übrig, außer mich über die ganzen Idioten lustig zu machen? Neu war es ja nicht, schon ziemlich zu Anfang hatten wir die dümmsten Aussagen der dümmsten User hin und her geschickt und anklagend mit dem Finger auf die Deppen gezeigt. Also widmete ich mich in meinen diversen Blogs der ganzen Vollhorste. Zuerst war es der Flirtlife-interne Blog, zur Absicherung ein externer Blogspot-Blog, was sich als sehr glücklich herausstellte, als mir MOD1 ohne Vorwarnung einfach die ganzen Einträge löschte. Das stachelte mich selbstverständlich nur noch mehr an, und zusätzlich von den hämischen Kommentaren meiner Leser angetrieben machte ich mich auf die Suche nach den idiotischsten Begebenheiten in dem riesengroßen Pulk von Idioten. Mir wurde so dermaßen oft angedroht, mich zu verprügeln, erschießen, vergewaltigen und sonstwas mit meiner Familie zu machen, dass ich eigentlich im Voraus schon die nächsten fünf Leben nicht mal erleben dürfte. Aber genau das sorgte natürlich für brisantes Blog-Material. Nachdem MOD1 mir immer mal wieder Knüppel zwischen die Beine werfen wollte, fing ich eben auch ein bisschen an, ihn anzuvisieren. Da ich immer schon Screenshots gesammelt hatte, fiel es mir leicht, MOD1 bloßzustellen. Das machte ihn natürlich extrem wütend, denn welcher tyrannische selbsternannte Gott hört schon gern Kritik an seiner Person? Vor allem, wenn sie noch dazu gerechtfertigt ist. Nun ja, die restliche Geschichte ist schnell erzählt – MOD1 drohte mir mehrmals mit der Löschung meines Profils, ich machte mich dementsprechend darüber lustig und verarschte ihn noch ein bisschen, so gut es eben ging. Wenn er mir sagte, ich müsse alle Einträge auf einer bestimmten Blogseite löschen, eröffnete ich eben kurzerhand eine neue Blogseite mit exakt denselben Einträgen. Da bin ich konsequent. Schlussendlich sitzt er aber natürlich am längeren Hebel und nutzt das genüsslich aus, und so wurde mein Account dann tatsächlich gelöscht. Obwohl, halt! Laut MOD1 wird ja “nichts gelöscht”, er wurde einfach nur komplett gesperrt. Das ist ein großer Unterschied, jaja.
Mein Leben nach Flirtlife
Jetzt bin ich schon eine ganze Weile nicht mehr bei Flirtlife angemeldet und ich muss ganz ehrlich sagen: Es fehlt mir auch nicht. Ich hatte gedacht, dass ich den Haufen vermissen würde, aber der Großteil war ja schon viel früher abgesprungen. Ich bereue nichts von dem, was ich in all der Zeit erlebt, getan und gesagt habe, ich bereue höchstens Dinge, die ich nicht erlebt, getan und gesagt habe. Aber so ist es ja immer.
Der Untergang von Flirtlife liegt meiner Meinung nach an drei großen Faktoren: Erstens natürlich die große Konkurrenz der amerikanischen Social-Networks. Gegen Facebook und Google Plus anzukommen, erfordert schon einiges an Geld, und Geld ist auch der zweite große Faktor. Eine Flirtseite ist einfach nicht lukrativ genug, das haben die hohen Herren von Campoint schon richtig erkannt, deswegen kümmern die sich lieber um ihre Sex-Webcams. So ist das eben, wenn für manche Leute nur das Geld zählt. Und zu guter Letzt der dritte Faktor: Hans-Peter. Man kann sagen was man will, aber hätte es Flirtlife ohne Hans-Peter gegeben, würde heute einiges anders aussehen. Zugegeben, er hat sich enorm um den Laden gekümmert und eine Menge Arbeit reingesteckt, aber nebenbei hat er sein möglichstes getan, um auch noch das letzte bisschen Spaß aus der Community zu pressen, besonders gegen Ende 2011. Ob es nun bewusst oder unbewusst war, wird vermutlich für immer ungeklärt bleiben. Fest steht aber: Wer solch eine Community ins Leben ruft, die mit netten Leuten und Spaß am Flirten wirbt und dann gleichzeitig einen solchen Menschen an die Spitze setzt, der ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Den Vergleich, dass man genausogut Adolf Hitler als Oberhaupt aller Synagogen hätte einstellen können, fand ich schon damals sehr treffend. Wer das zu heftig findet, der darf sich gern vorstellen, dass man genausogut eine Schlange in den Mäusekäfig hätte setzen können.
Ich hoffe, dass dieser Blogeintrag jetzt so einige Fragen beantwortet hat, die manche noch im Hinterkopf hatten. Und um es kurz zu machen: Nein, ich werde nicht wieder zu Flirtlife zurückkehren. Wie schon gesagt, ich bereue nichts, aber wie eine ganz besondere Idiotin namens MadreCorazon sagen würde: “Irgendwann ist doch echt mal GUT.”
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Categories: 100 Wahrheiten, Lesestoff
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